Sport : Immer der Blöde

Stefan Hermanns

über das böse Spiel mit Schiedsrichter Uwe Kemmling Wenn dem leidigen Manipulationsskandal im Fußball wenigstens ein positiver Aspekt abzugewinnen ist, dann der, dass er die Profession des Schiedsrichters nachhaltig in Verruf gebracht hat. Fest steht: Auch gut erzogene junge Männer (Eigeneinschätzung Robert Hoyzers) können durch die Schiedsrichterei auf die schiefe Bahn geraten. Allein das sollte allen Eltern Grund genug sein, ihre Kinder von einer Karriere als Schiedsrichter abzuhalten. Eines Tages werden die ihnen dafür noch sehr dankbar sein.

Uwe Kemmling zum Beispiel muss sich am Samstag wieder einmal gewünscht haben, nie Schiedsrichter geworden zu sein. Nach einer strittigen Szene hat er Hamburgs Torhüter Pieckenhagen befragt, ob der den Ball gespielt oder das Bein des Stuttgarters Szabics gegriffen habe. Pieckenhagen sagte: Ball. Kemmling entschied auf Abstoß. Das Fernsehen zeigte: Der Torhüter hatte gelogen. Kemmling kennt das. Im April 1998 rettete der Schalker Oliver Held mit der Hand auf der Torlinie. Keine Hand, sagte Held auf Nachfrage Kemmlings. Der gab Ecke statt Elfmeter. Schalke gewann 1:0, Köln stieg ab, und Kemmling war der Blöde.

Wie im vorigen Oktober, als Oliver Neuville Kaiserslautern den Ball mit der Hand ins Tor boxte. Alle hatten es gesehen, nur Kemmling nicht. Er hätte Neuville befragen müssen, schimpften die Lauterer. Warum?, hätte Kemmling zurückfragen können. Damit Neuville mich anlügt? So wie jetzt Pieckenhagen? In diesem Fall wiederum sagen die Stuttgarter: Kemmling hätte auch den Zeugen Szabics befragen müssen. Dann aber hätte Aussage gegen Aussage gestanden. Und wo soll das enden? Muss Kemmling demnächst in kniffligen Situationen das Publikum befragen? Um es mit einem Satz aus der Diskussion um den Videobeweis zu sagen: Technisch wäre das kein Problem.

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