Sport : Immer im Nachteil

Boavista Porto gehört nicht zu den ersten Adressen Europas

Martín E. Hiller

Porto. Die Namen klingen verheißungsvoll. Die Mannschaft von Boavista Porto schmückt sich mit Spielern wie Nuno Gomes, Silva oder Cafú. Allein, all diese Protagonisten sind lediglich Namensvettern der berühmten Nationalspieler aus Portugal und Brasilien. Kein Spieler aus dem aktuellen Kader von Boavista hat je in einem der europäischen Topvereine eine Rolle gespielt, kein Spieler hat einen Namen, der hierzulande wirklich geläufig wäre. Der Gegner von Hertha BSC im heutigen Uefa-Cup-Achtelfinale ist vielmehr eine Mannschaft, die nach internationalen Maßstäben als durchschnittlich einzustufen ist. Boavista ist regelmäßig in europäischen Wettbewerben vertreten und verzeichnet immer mal wieder respektable Erfolge. In dieser Saison warfen die Portugiesen immerhin Paris Saint Germain aus dem Wettbewerb. Dennoch gelang nie der große Wurf in Form eines internationalen Titels.

Auch national hat „Xadrez“, die Schachmannschaft, wie die Nordportugiesen zuhause wegen ihrer schwarz-weiß gemusterten Trikots genannt werden, schon bessere Tage gesehen. Momentan rangiert der Meister von 2001 in der portugiesischen Liga gerade mal auf Platz elf, weit entfernt von den traditionellen Konkurrenten FC Porto und Benfica Lissabon. Das macht sich auch in der Gunst des Publikums bemerkbar. In Portugal werden jede Woche mehrere Fußballspiele live im Fernsehen übertragen. Boavista ist selten dabei, meist ziehen die Fernsehanstalten eine Partie des populärsten Klubs, Benfica, oder einer anderen führenden Mannschaft vor. Bei einem Besuch im Stadion von Boavista wird zudem klar, warum auch der Zuschauerzuspruch vor Ort zu wünschen übrig lässt. Das Estadio do Bessa ist ein ungemütlicher rechteckiger Betonklotz. Theoretisch soll die EM-Spielstätte von 2004 zwar aufs Eleganteste modernisiert werden, doch die Verantwortlichen hinken dem Zeitplan weit hinterher. Das alles sind zumindest nicht die besten Voraussetzungen, um gegen Hertha BSC gewinnen zu können.

Boavista nimmt auch dementsprechend realitätsbewusst die Rolle des Außenseiters an. „Die spielen immer nach vorne, und da haben sie ihre schnellen Stürmer. Es wird schwer, sie aufzuhalten“, sagte der angeschlagene Stammtorhüter von Porto, Ricardo, dessen Einsatz am Donnerstag im Olympiastadion bis zuletzt ungewiss war. Ähnlich nüchtern äußerte sich der Manager von Boavista, Paulo Gonçalves, zu den Siegchancen seines Klubs. „Eine Mannschaft, die an das Tempo und die Härte der deutschen Liga gewöhnt ist, ist gegenüber einem portugiesischen Team eigentlich immer im Vorteil“, sagte Gonçalves.

Alles scheint darauf hinzudeuten, dass die Berliner das Duell gegen die Schwarz-Weißen nur verlieren können, wenn sie allzu selbstsicher in die Partie gehen.

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