Sport : Immer mehr im Abseits - Empörung über das Finanzgebaren der Hessen

Eintracht Frankfurt stellt sich in der Fußball-Bundesliga immer mehr ins Abseits. Die Wogen der Empörung über das immer unverständlichere Finanzgebaren der Hessen und die damit verbundene Geheimniskrämerei sind vor allem bei den direkten Abstiegs-Konkurrenten hoch geschlagen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) versucht daher zu beschwichtigen. Ein möglicher Lizenzentzug sei derzeit reine Spekulation, heißt es beim DFB.

Gleichzeitig wird aber vorgerechnet, welche Folgen ein Entzug der Lizenz schon in der laufenden Saison für die Meisterschaft hätte. Um den materiellen Schaden für die Bundesliga in Grenzen zu halten, würde auch mit einer bereits als Absteiger feststehenden Eintracht die Runde zu Ende gespielt werden. Allerdings stünde das Ergebnis jeweils fest, denn die Spiele würden mit einer Eintracht-Niederlage und drei Punkten für den Gegner gewertet werden.

Vor allem der am Montag veröffentlichte Warnbrief des Ligadirektors Wilfried Straub aus dem November 1999 hat die Gemüter erhitzt. Die Quelle für die Indiskretion wird im Kreis des Traditionsvereins vermutet. Straub schließt aus, dass das Papier aus dem DFB heraus weitergeleitet wurde. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zeigte sich der DFB-Direktor "fassungslos", die Veröffentlichung sei "schlimm, weil es die ohnehin aufgeladene Stimmung noch weiter anheizt".

Allerdings sind die am Montag hochgerechneten Zahlen keineswegs neu. Schon am 28. Januar bekannte Eintracht-Schatzmeister Rainer Leben in einer Pressekonferenz, dass die Auflage "Personalaufwendungen" um 42 Prozent oder 8,7 Millionen Mark und die Auflage "Kapital" um sage und schreibe 315 Prozent oder 18,3 Millionen Mark überschritten worden sind. Macht alles in allem genau jene veröffentlichten 27 Millionen Mark Lizenz-Verstoß.

Durch die nicht nachvollziehbaren Entscheidungen haben die Frankfurter Verantwortlichen um den immer umstritteneren Leben auch in der Mainmetropole eine Menge verdorben. Der Gesprächsfaden zur Sportdezernentin Sylvia Schenk ist gerissen, obwohl sich die SPD-Politikerin lange um die finanzielle Sanierung des Erstligisten bemüht hat.

Die Reaktion von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und des Magistrats ist schon erfolgt. Zwar wurde am letzten Freitag vom Magistrat ein gut 210 Millionen Mark teurer Neubau einer reinen Fußball-Arena für das marode Waldstadion beschlossen, aber die Eintracht hat ihr Mitspracherecht vorerst verwirkt. Vielmehr werden ihr die Bedingungen diktiert, während sie bei den letzten Planungen mit dem potenziellen Bauherrn und Betreiber International Management Group (IMG) noch voll integriert war.

Rätselraten herrscht vor allem über die Querverbindung zum Münchner Sportrechteverwerter ISPR. Bei der Kirch-Tochter wird jeglicher Kommentar zur möglichen Umwandlung des 17-Millionen-Mark- Kredites in eine so genannte Barzuwendung verweigert. Leben, der die Schenkung zunächst bestätigt hatte, will von diesem Vorgang nun nichts mehr wissen. "Wir haben Stillschweigen vereinbart", betonte der geschäftsführende ISPR-Direktor Michael Gott, bewusst in Kauf nehmend, dass die Rufschädigung auch für sein Haus immer größer wird.

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