Sport : Immer nie im Sand

Der überarbeitete VW Touareg ist ein Spielzeug für Dünenflitzer und Wüstenwandler. Bewegt wird er meist auf Asphalt

Ingo Wolff

Der Sand unter den Rädern knirscht. Das Fenster ist offen und der Wind bläst ins Innere des neuen VW Touareg. Der Geländewagen schiebt sich durch die Dünen. Er wirkt überhaupt nicht angestrengt. Die 350 PS des neuen Spitzenmotors lassen das schwere Gerät mühelos über die Hügeln donnern. Auch der kleine Wassergraben – nach einigen Tagen Regen ein unangenehmes Hindernis, hier direkt hinter dem Meer – ist mit dem Touareg schnell genommen. Es gibt keine Abzüge in der B-Note, Fahrer und Kopilot fühlen sich mit diesem Auto für ein Querfeldeinrennen gewappnet.

Doch gerade der Wohlfühlfaktor im neuen Touareg, der nach seiner Vorstellung nun langsam die deutschen Straßen erobert, ist seine Schwachstelle. Er verdrängt das schlechte Öko-Gewissen. Da hilft es wenig, dass VW darauf besteht, das der Touareg zu den saubersten in seinem Segment gehört. Er bleibt ein SUV und damit ein schwerer, stark motorisierter Spritschlucker. Selbst der kleinste Diesel der Modellreihe verbraucht nach Herstellerangaben 10,1 Liter, der Top-Benziner gar 13,8 Liter. In der Stadt kommt der kleine TDI auf 13,2 Liter und der V8-Ottomotor zieht stolze 19,7 Liter zur Verbrennung heran. Je nach Variante pustet ein Touareg zwischen 267 und 329 Gramm CO2 pro Kilometer durch den Auspuff.

Aber schieben wir das kurz zur Seite, um den Wagen weiter genießen zu können. In Deutschland werden über 90 Prozent aller verkauften Touareg sowieso von einem spritsparenderen Diesel angetrieben. Trotzdem können sich Benziner-Fans nach der Überarbeitung auf mehr freuen: Im Angebot ist VWs Stolz, das erste V8-Aggregat von VW mit Benzindirekteinspritzung.

Etwas frischer wirkt auch die Verpackung, selbst wenn die Ähnlichkeit mit dem Porsche Cayenne weiterhin enorm ist. „Natürlich ist das die gleiche Basis“, sagt Werner Neubauer, Markenvorstand bei VW. Als Replik auf den Einwand, die neue Version ähnele doch sehr der alten, entgegnet Produkmanager Matthias Kröll: „Der Touareg hat 7000 Teile, davon sind immerhin 2300 neu.“ Vieles davon spielt sich allerdings unter der Karosserie ab, mehrheitlich im Bereich Sicherheit, doch auch bei Komfort und nicht zuletzt beim Antrieb.

Und immerhin: Die neue Frontpartie sieht am Touareg wirklich ziemlich apart aus. Auch wenn man genau hinschauen muss, um die Veränderungen zu bemerken: Bis auf die Motorhaube ist vorne alles neu. Erst wenn man das weiß, fällt zum Beispiel der mit Chrom eingefasste Grill auf. Vielleicht ist das ja ein Hinweis auf einen Markt der Zukunft: Der Touareg ähnelt jetzt mehr einem asiatischen Gesicht. Ein Hybrid-Touareg ist ebenfalls geplant, ein wichtiger Schritt, um im Kampf gegen Konkurrenzmodelle wie Mercedes M-Klasse oder BMW X5 nicht an Boden zu verlieren. Binnen vier Jahren wurde der VW-Geländewagen rund 300 000 Mal verkauft.

Damit das so bleibt, geht VW mit dem Geländewagen an die Grenzen. Im Werbefilm zieht der Touareg einen Jumbo-Jet. Ob das für die Kunden Relevanz hat, ist fraglich. Überzeugender ist die Sicherheit. Und durch die bekommt er auch eine Rechtfertigung für den Stadtverkehr: Es blinkt zum Beispiel im Rückspiegel, wenn sich jemand im toten Winkel des Autos befindet. Und dem Radfahrer, der sich dort wahrscheinlich gerade aufhält, ist sicher auch das aufgefallen, was eine zufällige Betrachterin des Hecks so zusammengefasst hat: „Der hat aber einen süßen Po.“

Aber sieht man den überhaupt, wenn man durch die Wüste fährt und die Sandwolke hinter einem hochschießt? Egal. Denn selbst wenn man es nie einrichten kann, den Touareg durch die Sahara zu steuern, kann man sich über einen weiteren Fortschritt freuen: Der Bremsweg auf Sand ist um 20 Prozent verkürzt worden. Auf Schnee soll das zwar ebenfalls funktionieren, aber von dem gibt es ja auch nicht mehr viel, da, wo Touaregs meist unterwegs sind. Was man da schon eher brauchen könnte, ist ein anderes Extra: die automatische Distanzregelung. Sie bremst und beschleunigt das Fahrzeug je nach Verkehrslage in einem definierten Geschwindigkeitsbereich. Das werden wir möglicherweise schon bald brauchen. Dann, wenn dieser schöne Geländewagen nur noch mit Tempolimit über deutsche Autobahnen fahren darf.

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