Sport : Immer noch eins drauf

Heftige Sticheleien trüben Albas Verhältnis zu Bonn

Benedikt Voigt

Erstaunt blickte Arvid Kramer über seine Schulter. So viel Jubel hatte der Manager der Telekom Baskets Bonn nicht erwartet, als der Hallensprecher im Halbfinale fragte, wer Rhein Energie Cologne unterstütze. Die rund 100 Kölner Fans konnten beim Finalturnier um den deutschen Basketball-Pokal in der Max-Schmeling-Halle unmöglich diesen Lärm veranstalten. Es waren die Fans von Alba Berlin, die sich mit den Kölnern gegen Bonn verbündet hatten. Kramer klatschte den Berlinern höhnisch Beifall.

Das Finalturnier war nicht dazu angetan, die Beziehungen zwischen den Telekom Baskets Bonn und Alba zu verbessern. „Um es höflich auszudrücken: Das Verhältnis zu den Berliner Fans war schon einmal besser“, sagt Andreas, einer von rund 1000 Fans, die aus Bonn angereist waren. „Die Berliner stehen jetzt auf einer Stufe mit Köln. Wo Köln ist, da ist ganz unten.“ Die Bonner Fans hatten das Spiel um Platz drei, das Bonn gegen Gießen 86:93 verlor, zu einer stimmungsvollen Angelegenheit gemacht. Beim Finale zogen sie unter Auf- Wiedersehen-Rufen zwischenzeitlich aus der Halle. 40 Spielminuten lang zusehen, wie Alba und Köln den Titel ausspielen, wollten sie auf keinen Fall.

Nicht nur zwischen Berliner und Bonner Fans, auch zwischen den Klubs stimmt es in dieser Saison nicht. Es begann beim Bundesligaspiel in Bonn, als Centerspieler Aleksandar Radojevic den 90:82-Erfolg gegen Alba überschwänglich feierte. „Das hat uns genervt“, sagte Berlins Aufbauspieler Mithat Demirel. Vor dem Rückspiel hatte Albas Vizepräsident Marco Baldi Unmut in Bonn gestiftet, als er sagte, die Bonner würden zu sehr das Asterix- Image strapazieren: das kleine Dorf, das gegen die übermächtige Hauptstadt kämpft.

Auch die Vergabe des Pokalfinales nach Berlin hat man in Bonn nicht so gerne gesehen. In der Abstimmung um den Austragungsort votierten die Bonner für ihre 3500 Zuschauer fassende Hardtberg-Halle. In den Play-offs der Bundesliga können der Tabellenerste und der Zweite der Hauptrunde, eben Bonn und Alba, erst im Finale aufeinander treffen. Den Berlinern käme ein solches Finale nicht ungelegen, weil sie somit nicht am 1. Juni, dem Tag des ersten Finals, ein Heimspiel, sondern ein Auswärtsspiel austragen müssten. Bonn hätte als Tabellenführer zunächst Heimrecht. An jenem Wochenende steht Alba wegen des Kirchentages die Schmeling-Halle nicht zur Verfügung. „Ich bin fest überzeugt, dass wir ins Finale kommen“, sagte Bonns Spieler Branko Klepac, „aber wer sagt, dass es Berlin auch schafft?“

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