Sport : Immer nur weiter so

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Robert Ide über das Programm von DFBPräsident Mayer-Vorfelder

Gerhard Mayer-Vorfelder hat nicht mehr viele Fans. Als der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Freitag bei einer Podiumsdiskussion in Berlin vorgestellt wurde, applaudierte ihm nur ein Mann im Publikum: Otto Höhne, Chef des Berliner Fußball-Verbandes. Ansonsten Stille.

Um Mayer-Vorfelder herum passiert eine Menge. Die Fußball-Bundesliga kämpft mit Finanzproblemen nach der Kirch-Krise, die Vorbereitungen zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland binden immer mehr Kräfte. Und dann ist da das langwierige Gezerre um die Zukunft des Fußballs im Fernsehen und im Internet. Sowohl die Übertragungen der Länderspiele im öffentlich-rechtlichen Programm als auch der Bundesliga-Partien beim Privatsender Sat 1 stehen in Frage, die Rechte-Verwertung im Internet ist unklar. Es gibt also viel zu tun.

Gerhard Mayer-Vorfelder tut viel. Der 69-Jährige bereist das Land, um Werbung für den Fußball und für sich zu machen. Doch tut er das Richtige? Sind Empfänge, Tagungen und Podiumsdiskussionen wirklich das Mittel, um die Ware Fußball attraktiver zu machen? Die Zeitschrift „Sport-Bild“ titelte zuletzt: „MV, was machen Sie den ganzen Tag?“ Mayer-Vorfelder weicht diesen Fragen aus und verweist lieber auf seinen jüngsten Erfolg: die Einführung des vierten Schiedsrichters in der Bundesliga. In der Tat wurde hier schnell auf die öffentliche Debatte reagiert. Reagieren kann Mayer-Vorfelder ganz gut. Genauer gesagt, die bisherige Amtszeit des DFB-Präsidenten bestand fast nur daraus: Reagieren auf Beschwerden über schwache Talentförderung, auf Kritik an ausländerfeindlichen Sprüchen in einer vom DFB verantworteten Ausstellung, auf immer neue Vorwürfe, er habe in Stuttgart Geld veruntreut und Steuern hinterzogen. Bei all dem bleibt Mayer-Vorfelder keine Zeit mehr, eigene Impulse zu setzen.

Konsequenzen daraus möchte der schwache Mann des Fußballs nicht ziehen. Im Gegenteil: Mayer-Vorfelder will 2004 – im Alter von 71 Jahren – für eine weitere Amtszeit kandidieren. Als Grund führt er an, die WM 2006 im eigenen Land noch „aktiv erleben und gestalten“ zu wollen. Weiterreichende Ziele formuliert er nicht.

Vielleicht sollte sich Mayer-Vorfelder an den 3. November dieses Jahres zurückerinnern. Damals saß er im Nürnberger Rathaus und wohnte der Wahl des Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees bei. Dabei trat der 73-jährige Amtsinhaber Walther Tröger gegen den 48-jährigen Herausforderer Klaus Steinbach an. Tröger war der Meinung, dass in seinem Sportverband alles so bleiben könne wie bisher. Er verlor die Wahl.

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