Sport : Immer schön harmonisch

Hertha BSC beginnt mit dem Training für die Rückrunde und steht vor einem Generationswechsel

Stefan Hermanns

Berlin. Für die meisten Menschen ist der 50. Geburtstag ein ganz besonderer Termin. Er gilt als der vielleicht rundeste aller runden Geburtstage, und entsprechend ausgelassen wird er in der Regel gefeiert. Bei Dieter Hoeneß wird das nicht anders sein, wenn er am kommenden Dienstag 50 wird. Vierhundert Gratulanten haben sich bereits zur großen Feier des großen Vorsitzenden angesagt. Für den Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC fängt das Jahr 2003 also ganz gut an. Und mit großen Feiern könnte es auch gerne weitergehen. Doch danach sieht es zurzeit nicht aus.

„Wir wollen angreifen“, sagt Dieter Hoeneß, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Kommanditgesellschaft Hertha BSC. Heute Nachmittag um 14.30 Uhr nehmen die Fußballer des Berliner Bundesligisten das Mannschaftstraining wieder auf, in einer Woche fliegen die Profis mit den Amateuren des Vereins für acht Tage ins Trainingslager nach Belek (Türkei). „Es wartet einiges an Arbeit auf uns“, sagt Hoeneß. Man könnte auch sagen: Es gibt noch einige Versäumnisse aus dem vergangenen Jahr aufzuarbeiten. Nur zweimal seit dem Aufstieg 1997 stand Hertha nach der Hinrunde mit weniger Punkten da (siehe Kasten), und noch nie schossen die Berliner im ersten Halbjahr weniger Tore (19) – allerdings haben sie auch nur einmal weniger Gegentore kassiert. „Wir können nicht zufrieden sein“, sagt Hoeneß. „Wir haben unter unseren Möglichkeiten gespielt.“

Das Jahr 2003 wird ein wichtiges für Berlins erfolgreichsten Fußballverein – und das gilt nicht nur für die Rückrunde dieser Saison, in der es vor allem darum geht, die eigenen Ziele nicht schon vorzeitig aus den Augen zu verlieren. Im Sommer war Hertha angetreten, bei günstigem Saisonverlauf Platz drei und damit die Startberechtigung für die Champions League zu erreichen. Hinter diesem Anspruch liegt die Mannschaft zehn Punkte zurück, und realistisch gesehen wird dieser Abstand kaum aufzuholen sein. „Das wird schwer“, sagt selbst der gewöhnlich optimistische Hoeneß, der deswegen gegenwärtig auch keinen Sinn darin sieht, „auf den dritten Platz zu schielen“. Platz fünf, also die Qualifikation für den Uefa-Cup, hält Herthas Manager noch für erreichbar. Es wäre so etwas wie die Minimalanforderung, die die Mannschaft dann erfüllt hätte.

Doch wie auch immer diese Saison enden wird – schon die Vorrunde hat den Berlinern gezeigt, dass der Kader verändert werden muss, damit die Mannschaft wettbewerbsfähig bleibt. „Wir stehen vor einem Generationswechsel“, sagt Manager Hoeneß. Auch deswegen kommt diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu. Im Grunde verabschiedet Hertha am Saisonende die Generation der Aufstiegshelden. Eyjölfur Sverrisson verlässt den Verein, Michael Preetz, der letzte Star der Aufstiegself, wechselt ins Management. Es bleiben Ersatztorhüter Christian Fiedler, Pal Dardai sowie Andreas Schmidt und Michael Hartmann, deren Verträge wohl verlängert werden. Trainer Huub Stevens schätzt beide für ihre solide Arbeit. Die Frage ist nur, ob solide Arbeit auch weiterhin reicht, um Herthas Ambitionen gerecht zu werden. Vor einem radikalen Schnitt aber, der in diesem Jahr möglich wäre, schreckt die Vereinsführung zurück. Der Generationswechsel soll harmonisch ablaufen.

Manager Hoeneß spricht von einem Prozess, „der uns sicherlich auch das eine oder andere Problem bereitet“. Welcher Weg der richtige ist, kann niemand genau sagen: der behutsame Wandel oder der radikale Umbau, Evolution oder Revolution? Die Fans wollen einerseits neue Stars und schimpfen andererseits über die Legionärsmentalität der Fußball-Millionäre; sie können die alten Gesichter irgendwann nicht mehr ertragen, freuen sich aber über jeden Fall von ungewohnter Vereinstreue. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Planungen für die Hertha der Zukunft. Der Generationswechsel „ist kein zufälliger Prozess“, sagt Manager Dieter Hoeneß. „Er ist ein gewollter und gewünschter Prozess.“ Vor allem ist er ein Prozess, der von Jahr zu Jahr notwendiger wird.

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