Sport : Immer schön nach vorne

Die Bundesligaklubs setzen auf Qualität im Angriff

Mathias Klappenbach

Berlin - Die erwartete Reaktion blieb aus. Als der FC Bayern 70 Millionen Euro in Spieler wie Luca Toni und Franck Ribéry investierte, war statt eines Verweises auf die eigenen bescheidenen Mittel von den Konkurrenten ungewohntes Lob zu hören. „Es ist unheimlich klasse für die Liga, dass die Bayern diese Stars geholt haben“, sagte Horst Heldt, der Manager des VfB Stuttgart. Ähnlich äußerten sich die Verantwortlichen aus Bremen und Schalke. Die drei Klubs, die in der vergangenen Saison vor den Bayern standen und ihnen in diesem Jahr mutmaßlich hinterherhecheln werden, freuen sich über die neue Attraktivität der Bundesliga.

Die Liga boomt seit Jahren, häufig wechselten ihre – selbst aufgebauten – Stars aber nur innerhalb des geschlossenen Systems Bundesliga, das trotz aller Zuschauerrekorde und positiven wirtschaftlichen Kennzahlen nicht gerade für sehenswerten Fußball bekannt war. Vor drei Jahren etwa, in der Saison 2004/05, war der prominenteste Zugang der Liga aus dem Ausland der Abwehrspieler Roque Junior von Bayer Leverkusen. Mit Kevin Hofland (Wolfsburg), Gustavo Nery (Bremen) und Daniel van Buyten (Hamburg) kamen weitere namhafte Verteidiger, um Tore zu verhindern.

In der vergangenen Saison gab es nun eine Renaissance der Stürmer. Der VfL Bochum wäre ohne Theofanis Gekas wohl abgestiegen, Gleiches gilt für Borussia Dortmund mit Alexander Frei und Energie Cottbus mit Sergiu Radu. Mainz 05 hatte zwischendurch nur deshalb überhaupt noch einmal eine Chance, weil Mohamed Zidan so oft traf.

Wolfsburg, Hamburg und Hannover investierten in Radu, Zidan und Mike Hanke, andere Klubs suchten sich im Ausland neue Offensivspieler. Ewerthon und Ciprian Marica beim VfB Stuttgart, Carlos Alberto bei Werder Bremen, Jakub Blaszczykowski bei Borussia Dortmund, Angelos Charisteas beim 1. FC Nürnberg, Ivan Rakitic bei Schalke 04 und die neuen Stars beim FC Bayern: Die teuren und qualitativ hochwertigen Transfers sind in diesem Jahr fast alle solche, die den Klubs ein besseres Offensivspiel ermöglichen sollen. Und die Gegenspieler der neuen Stürmer kommen in diesem Jahr aus der Zweiten Liga: Verteidiger wie Thomas Kleine in Hannover, André Mijatovic in Bielefeld oder Gledson in Stuttgart sollen die teuren Stürmer am Toreschießen hindern.

Wenn die Manager über ihre Angreifer sprechen, sagen fast alle, dass sie bei der Auswahl der Spieler besonders darauf geachtet haben, dass diese ihre Fertigkeiten auch bei hohem Tempo zeigen können. Das ist viel versprechend für die Zuschauer, und langfristig mag es wichtiger sein als alle Pläne zur Veränderung von Sommer- und Winterpause, der Wiedereinführung von Relegationsspielen oder der Ausweitung des Liga-Pokals.

Auch noch wichtig werden könnte ein anderer Umstand. Den 70 Millionen Euro Ausgaben der Bayern stehen 35 Millionen Transfereinnahmen gegenüber, zudem ist trotz der schlechten Platzierung in der Liga mit einem Gewinn von gut 30 Millionen zu rechnen. Das viel zitierte Festgeldkonto ist nahezu unangetastet. Es ist also noch Geld da für die ganz großen Stars, wenn es dieses Jahr wieder nicht klappt.

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