Sport : Immer trocken bleiben

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Frank Bachner über Leichtathleten

im strömenden Regen

Um hier gleich mal ein mögliches Missverständnis auszuräumen: Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft plumpste der 130 Kilogramm schwere Koloss Manuel Martinez im Kugelstoß-Finale zwar aus dem Ring wie ein prall gefüllter Kartoffelsack. Doch das geschah nicht, weil es wie aus Eimern schüttete und Martinez im nassen Ring ausgerutscht war. Der Spanier konnte bei seinem Drehstoß schlicht die Fliehkräfte nicht mehr kontrollieren, die auf ihn wirkten. Im Fernsehen sah das alles dramatischer aus, als es war.

Mag ja sein, dass erschrockene TV-Zuschauer dachten, bei diesem strömenden Regen müsse der Wettkampf sofort abgebrochen werden, da besteht doch große Verletzungsgefahr. In Wirklichkeit bestand zu einem abrupten Ende nie ein Anlass, auch wenn beim 10 000-m-Lauf der Frauen das Wasser unter den Spikes nur so spritzte. Auch die Athleten kamen nicht auf die Idee aufzuhören. „Es war ein ganz regulärer Wettkampf“, sagte der Kugelstoßer Ralf Bartels, der Bronze gewann. Zumal kurz zuvor in diesem strömenden Regen Paula Radcliffe den Europarekord sogar um zwölf Sekunden verbesserte. Dan Vladescu, der Trainer von Heike Drechsler, sagte nur trocken: „Verkürze bei diesem Regen halt Deinen Anlauf.“ Allein beim Stabhochsprung wäre wohl der Wettkampf unterbrochen worden. Denn da wird es auf glattem Boden wirklich gefährlich. Doch die Stabhochspringer sind erst heute dran.

Sicher, beim Tennis alarmieren sie ja fast schon die Feuerwehr, wenn mal zwei Tropfen vom Himmel fallen. Die Spieler flüchten in die Kabine, die Balljungen stürmen auf den Platz und decken ihn blitzschnell ab. Diese Hektik mag an der größeren Verletzungsgefahr liegen. Aber vielleicht sind Tennisspieler auch ein bisschen sensibler als andere Sportler, und ein nasser Ball fliegt halt nicht so schön über das Netz. Man kann es noch etwas bösartiger ausdrücken: Tennisspieler sind Weicheier. Bei Regen jedenfalls.

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