Sport : Immer weiter nach unten

Auch mit Lienen verliert Hannover – 0:1 gegen Kaiserslautern

Richard Leipold

Hannover. Ewald Lienen wäre nicht Ewald Lienen, hätte er seinen Einstand bei Hannover 96 nicht auf seine ganz persönliche Weise zu einem Erfolgserlebnis gemacht. An seinem ersten Arbeitstag in der AWD-Arena hatte der neue Trainer des abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten den Fotografen einen strengen Zeitplan oktroyiert. Gemäß offizieller Weisung durfte Lienen „vor dem Anpfiff zwanzig Sekunden lang" fotografiert werden, danach möge man ihn bitte in Ruhe lassen. Die Fotografen gehorchten, aber das war dann auch schon alles, was Lienen an Erfolgserlebnissen vorweisen konnte. Die sportliche Premiere ging daneben: 0:1 verlor Hannover gegen den 1. FC Kaiserslautern und rutschte damit zum ersten Mal in dieser Saison auf einen Abstiegsplatz. Lienen trug es mit Fassung: „Wenn wir so konzentriert weiterarbeiten, dann haben wir eine gute Chance, in der Liga zu bleiben. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie unbedingt in der Liga blieben will.“

Das war schön und einfühlsam gesagt, doch die Herzen der Hannoveraner Fans gehören weiter dem Mann, der am Sonntag beurlaubt worden war. In der Fankurve hing ein Transparent mit dem Foto von Ralf Rangnick und einer freundlichen Botschaft: „Danke, Ralf“. Doch auch Rangnicks Nachfolger bekam einen freundlichen Empfang. Ein örtliches Blatt hatte sich zum Sprachrohr der Basis gemacht und mit der Schlagzeile aufgemacht: „Wenn schon ein neuer Trainer, dann Lienen.“

Die Kaiserslauterer waren davon offenbar so beeindruckt, dass sie zunächst gar nicht erst versuchten, in die Nähe des Hannoveraner Strafraums zu kommen. Nur Nationalstürmer Miroslav Klose wagte in der ersten Hälfte einen ernsthaften Torschuss. Hannover arbeitete dagegen vor der Pause vier gute Gelegenheiten heraus; die beste vergab Kapitän Altin Lala. In der Pause zeigten die Pfälzer so etwas wie Tatendrang. Sie kehrten ein paar Minuten früher aus der Kabine zurück, aber es dauerte noch ein Weilchen, bis sie diesem Signal entsprechende Taten auf dem Spielfeld folgen ließen. Eine gute Stunde war gespielt, da bequemte sich der 1. FC Kaiserslautern endlich zu seinem zweiten Angriff. Es sollte einer mit Folgen werden. Mittelfeldspieler Marian Hristow nutzte einen Abwehrfehler zum Führungstor. Das war nach 63 Minuten.

Ewald Lienen reagierte und wechselte zwei zusätzliche Stürmer ein, doch auch Thomas Brdaric und Daniel Stendel vermochten die Hannoveraner Feldüberlegenheit nicht in Tore umzusetzen. Dabei hatten beide binnen Sekunden die Riesenchance zum Ausgleich. Kurz vor dem Schlusspfiff traf erst Brdaric die Latte; Stendel schoss den Abpraller an den Pfosten. Die glücklichen Lauterer brachten ihren Vorsprung über die Zeit, in den letzten sechs Minuten sogar mit zehn Mann. Knavs war vom Platz gestellt worden, weil er Hannovers Spanier Jaime umgestoßen hatte. „Das war völlig unnötig", schimpfte Trainer Kurt Jara. „Ich freue mich über den Sieg, aber die Rote Karte macht mich stocksauer."

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