Sport : Immerhin ein Kölner trifft

Dank Toren von Luca Toni und Lukas Podolski gewinnt der FC Bayern beim 1. FC Köln 3:0

Stefan Hermanns[Köln]

Der Kölner an sich besitzt ein Faible für große Gefühle. Gestern Nachmittag, beim Heimspiel seines FC gegen Bayern München, wurde diese Vorliebe umfassend bedient. Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff trat Ümit Özat, der Kapitän der Kölner, auf den Rasen und richtete das Wort an die Fans. Der Türke war vor zwei Wochen in Karlsruhe auf dem Fußballplatz zusammengebrochen. „Mir geht es gut. Ich hoffe, dass ich wieder spielen kann“, sagte Özat. „Ich liebe euch. Ihr seid die besten Fans.“ Das Publikum war – verständlicherweise – gerührt. Auch wegen der Rückkehr des Urkölners Lukas Podolski erlebten die Kölner gestern einen gefühligen Nachmittag. Dass ihr Verein 0:3 (0:0) gegen den Deutschen Meister verlor, nahmen sie dabei eher beiläufig zur Kenntnis.

Podolski saß beim ersten Pflichtspiel gegen seinen ehemaligen Klub nur auf der Bank. Als er nach dem Warmmachen als letzter Münchner in die Kabine verschwand, ertönten von den Kölner Fans auf der Südkurve mächtige „Lukas Podolski!“-Rufe. Podolski blieb kurz stehen und hob den Daumen. Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. In der Pause beteiligte sich der Stürmer der Bayern sogar am vereinsübergreifenden Halbzeitprogramm: Gemeinsam mit den beiden Kölnern Thomas Kessler und Matthias Scherz spielte er sich die Bälle über die eigentlich trennende Mittellinie zu. Als Podolski sich kurz darauf zum Warmmachen begab, erhob sich die Südkurve zum Applaus. Seine Übungen wurden fortan auch musikalisch unterlegt: „Poldi is’ ne kölsche Jong.“

Bis zur 57. Minute musste Podolski auf seinen Einsatz warten. Bayerns Trainer Jürgen Klinsmann hatte sich zunächst gegen den Wandel entschieden. Wie schon beim 4:1-Sieg gegen Hertha BSC ließ er nicht nur mit einer Dreierkette in der Abwehr verteidigen, er setzte auch auf dasselbe Personal. Kapitän Mark van Bommel, der seine Gelb-Rot-Sperre verbüßt hatte, verbrachte das komplette Spiel auf der Ersatzbank. Anders als gegen die Berliner gelang es den Bayern allerdings nicht, den Gegner durch aggressives Spiel in Not zu stürzen. Dem Meister fehlte es gegen die massive Abwehr an Geist und Geduld. Immer wieder schoben sie den Ball rund um den FC-Strafraum von links nach rechts und von rechts nach links, und wenn sich keine Lücke fand, versuchte es Lucio eben mit einem Weitschuss.

Nur zweimal wurde es in der ersten Halbzeit für die Kölner gefährlich. Erst rettete Roda Antar nach einer Kopfballablage von Luca Toni vor Daniel van Buyten, dann verpasste Miroslav Klose eine etwas zu ungenaue Hereingabe Tonis. Die Szenen täuschten ein wenig darüber hinweg, dass in Köln vornehmlich der Lamentier-und-Stolper-Toni auf dem Platz stand. Es war fast so, als wollte der Italiener dem Kollegen Podolski recht früh zu einem Einsatz in seinem alten Stadion verhelfen.

Aber vielleicht ist das auch Teil seines Plans. Toni dilettiert derart, dass der Gegner ihn irgendwann gar nicht mehr ernst nehmen kann – dann schlägt er zu. Innerhalb von fünf Minuten entschied der Italiener das Spiel zugunsten der Bayern. Erst traf er nach einem Freistoß von Bastian Schweinsteiger per Kopf zum 1:0, dann staubte er nach umfassender Vorarbeit von Zé Roberto zum 2:0 ab. Dass der Aufsteiger aus Köln das Spiel danach nicht mehr gewinnen würde, war abzusehen. Einen Wunsch hatten die Fans trotzdem noch: ein Tor von Lukas Podolski.

Und mit dem letzten Angriff traf er dann tatsächlich nach Vorarbeit von Toni zum 3:0. Die Südkurve applaudierte.

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