Sport : Immun gegen Provokationen

Daniel Brands überzeugt bisher in Wimbledon

Petra Phlippsen[London]
Ein Mann, ein Schrei, ein Sieg. Daniel Brands gewann in Wimbledon nervenstark gegen den Rumänen Hanescu. Foto: dpa
Ein Mann, ein Schrei, ein Sieg. Daniel Brands gewann in Wimbledon nervenstark gegen den Rumänen Hanescu. Foto: dpaFoto: imago sportfotodienst

Am Ende wurde es unschön, und das sollte den größten Moment in der jungen Karriere von Daniel Brands doch ein wenig trüben. Denn sein Gegner auf Court 18 des All England Clubs, der Rumäne Victor Hanescu, zeigte sich als schlechter Verlierer. Mitte des vierten Durchgangs, es war bereits später Freitagabend, hatte sich Hanescu am Oberschenkel verletzt und musste behandelt werden. Von da an versuchte der Hüne alles, um die Unterbrechung der Partie wegen zu großer Dunkelheit zu provozieren. Der Schiedsrichter durchschaute diesen Plan.

Dass auch der fünfte Satz begonnen wurde, ärgerte Hanescu so sehr, dass er in Richtung Zuschauer spuckte, die er zuvor mit Obszönitäten bedacht hatte. Dafür wurde er verwarnt. Schließlich gab Hanescu beim Stand von 7:6, 7:6, 6:7, 3:6 und 0:3 aus seiner Sicht auf und bescherte Brands damit sein erstes Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier. Weil sich Philipp Petzschner trotz starker Gegenwehr Rafael Nadal 4:6, 6:4, 7:6 (7:5),2:6, 3:6 geschlagen geben musste, ist Brands nun der einzige im Turnier verbliebene Deutsche.

„Es wäre schöner gewesen, einfach mit 6:3 zu gewinnen als so“, sagte Brands, „aber das ist trotzdem unglaublich für mich.“ Und verdient hatte sich der 22-Jährige aus dem niederbayrischen Deggendorf den Sieg allemal. Beharrlich war er im Duell zweier aufschlagstarker Spieler drangeblieben und wehrte sogar vier Matchbälle im dritten Satz ab. „Da dachte ich dann schon langsam: Jetzt ist der Traum wohl vorbei“, sagte Brands. Doch er kämpfte sich zurück und blieb ruhig, als Hanescus Provokationen begannen.

Der beging in seinem letzten Aufschlagspiel sogar zweimal absichtlich einen Fußfehler, ihm war jede Lust vergangen. „Es ist natürlich nicht schön, wenn jemand so abschenkt“, sagte Brands. Genießen konnte er seinen Erfolg dennoch, als er die Autogramm- und Fotowünsche der Fans erfüllte. „Das ist wie eine Belohnung. Daran kann ich mich gewöhnen.“

An das raue Leben auf der Profitour und das Besondere, das Grand-Slam-Turniere so mit sich bringen, hat sich der Weltranglisten-98. inzwischen besser gewöhnt. Erst zweimal, und das bei den French Open, hatte es Brands ins Hauptfeld eines der vier wichtigsten Turniere der Saison geschafft, war aber jeweils in Runde eins gescheitert.

Mit seinen 1,96 Meter ist Brands eigentlich prädestiniert für das Spiel auf Rasen. Warum es ihm bisher aber nie behagte, kann er sich selbst nicht recht erklären. Er habe eben von klein auf auf Sandplätzen gespielt, sagte er. Auf diesem Untergrund schaffte er mit dem Halbfinaleinzug beim Turnier in München vor einem Jahr auch seinen bis dahin größten Erfolg. Dass ihm der quasi zu Hause gelang – er trainiert in der Oberhachinger Tennisbase – machte den Erfolg für Brands noch wertvoller.

Das Achtelfinale von Wimbledon zu erreichen, ist freilich bedeutsamer. „Ich habe immer vor dem Fernseher gesessen und Pete Sampras und Goran Ivanisevic zugeschaut“, sagte er. Damals hätte er nie geglaubt, dass er eines Tages dort spielen würde. Und auch dieses Mal buchte er sein Hotel nur bis zum Sonntag.

Brands würde seinen Aufenthalt nur zu gerne um mehr als eine Nacht verlängern, auch wenn am Montag mit dem Tschechen Tomas Berdych der Halbfinalist von Paris wartet: „Ich traue mir inzwischen viel mehr zu. Und auch gegen Berdych habe ich eine kleine Chance.“

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