Sport : Imperator mit Übergewicht

Trotz seiner Skandale ruhen Roms Hoffnungen auf dem wiedergenesenen Adriano

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Berlin - Als der dreifache Weltfußballer Ronaldo, mittlerweile 34 Jahre alt und bei Corinthians Sao Paulo in den Endzügen seiner Karriere, neulich gefragt wurde, wer sein Nachfolger werden könnte, musste er nicht lange überlegen: „Ich würde den Imperator vorschlagen. Er ist ein Kämpfer, und seine Lebensgeschichte, wie er sich immer wieder aufrappelt, ist fantastisch.“

In der Tat wurden dem Stürmer Adriano, „Imperator“ genannt, seit jeher die gleichen Qualitäten wie dem Weltstar Ronaldo nachgesagt. Ähnlich schnell und athletisch, torgefährlich und technisch begabt war er seit jeher. Doch Adriano, 28, teilte mit Ronaldo auch die Anlage zum Übergewicht, zur Verletzungsanfälligkeit und vor allem zum Skandal. Dennoch ist er ein Hoffnungsträger seines Klubs AS Rom im Champions-League-Spiel heute Abend gegen Bayern München und auf den Einzug ins Achtelfinale.

Als er am vergangenen Samstag nach wochenlanger Verletzungspause eingewechselt wurde, gab es stehende Ovationen im Römer Olympiastadion. Und das, obwohl Adriano mehr watschelte denn lief und der Bauch sich deutlich unter dem Trikot spannte. Schon bei seiner Verpflichtung im Sommer hatten sie ihn gefeiert, trotz der stolzen 20 Kilogramm Übergewicht, die er auf die Waage brachte. Dennoch lieben ihn die Römer. „Die Fans sind mit mir, das spüre ich“, sagte Adriano nach seinem Comeback. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Anhänger der chronisch verschuldeten Roma, seit Jahren vergeblich auf der Suche nach einem Investor und alter Größe, mit dem brasilianischen Lebemann identifizieren können. Oder vielleicht erinnern sie sich noch an den alten Adriano.

Zu Beginn des Jahrtausends galt er als einer der besten Stürmer der Welt. Mit blitzschnellen Zick-Zack-Dribblings und Linksschüssen, die Tornetze zerfetzen konnten, wurde er 2005 Welttorjäger. In Florenz, Parma und bei Inter Mailand nannten ihn die italienischen Fans ehrfurchtsvoll „Imperatore“, nach dem Kaiser Hadrian, „Adriano“ auf Italienisch. Mit der brasilianischen Nationalmannschaft gewann Adriano die Copa America 2004 und den Confederations Cup 2005 in Deutschland, jeweils als Torschützenkönig und bester Spieler des Turniers. Doch dann folgte sein Absturz.

„Nach dem Tod meines Vaters und der Trennung von meiner Freundin habe ich Zuflucht im Alkohol gesucht“, sagte Adriano im Rückblick. Er feierte Nächte durch, verpasste Trainingseinheiten, ignorierte Anweisungen des Trainers, wurde übergewichtig, dachte an Rücktritt. Inter Mailand lieh ihn in seine Heimat Brasilien zum FC Sao Paulo aus, wo er in psychologische Behandlung gehen sollte.

Als er zurückkehrte, machte er Schlagzeilen, als er überpünktlich zum Training erschien – und vollkommen betrunken. Inter löste seinen Vertrag auf. Zurück in Brasilien, schoss Adriano seinen Jugendklub Flamengo Rio de Janeiro mit 19 Toren zur Meisterschaft. Doch abseits des Platzes kehrte keine Ruhe in ihm ein. Als Adriano im März ein Training schwänzte, um mit Teamkollegen trinken zu gehen, bewarf seine aufgebrachte Freundin sein Auto im Streit mit Steinen. Adrianos Konfliktmanagement: Er fesselte seine Freundin an einen Baum, wo sie bis zum nächsten Morgen um sieben verblieb. Dennoch gab ihm die Roma im Sommer noch einmal einen Dreijahresvertrag, mit fünf Millionen Euro im Jahr entlohnt. Mittlerweile hat der 1,89 große Stürmer seine 102 Kilogramm Lebendgewicht um fast zehn Kilo reduziert und sich nach Verletzungen wieder an die Mannschaft herangekämpft. Dennoch spekulieren brasilianische Medien über eine Rückkehr.

Auch Ronaldo empfiehlt ihn als seinen Nachfolger bei Corinthians, wenn er 2011 aufhört. Dort hätte Adriano zumindest in Sachen Skandale große Fußstapfen zu füllen: 2008 ließ sich Ronaldo von drei Prostituierten bestehlen, die sich zudem noch als Transvestiten herausstellten.

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