Sport : Impfstoff für den Kopf

Prävention als Mittel im Kampf gegen Doping

Friedhard Teuffel
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Verbotene Mittel. Schon früh sollen die Sportler davor gewarnt werden. Foto: p-a/dpadpa

Berlin - Die Dopingaufklärer kommen und sie bringen Verstärkung mit. Eine Olympiasiegerin im Hockey, Anke Kühn, und ein Olympiadritter im Trampolinturnen, Henrik Stehlik, sollen am Montag in Hannover junge Leistungssportler aus zwei Schulen vor dem Dopen schützen. Sie sollen sie vom ehrlichen Sporttreiben überzeugen, das ist das Ziel der Präventionstour der Nationalen Anti-Doping- Agentur, Nada, die durch alle deutschen Eliteschulen des Sports zieht.

Die Kämpfer für das Gute im Sport kommen sich wieder stärker vor, seitdem sie einen besonderen Wirkstoff einsetzen: die Prävention. Wenn schon bestimmte Dopingsubstanzen kaum nachzuweisen sind, wenn die Betrüger den Verfolgern längst enteilt sind, dann kann man ganz vorne anfangen. Neue, saubere Generationen von Spitzensportlern könnten herangezogen werden. Doch dieser Impfstoff ist offenbar wirkungslos. In einer Studie haben die Sportwissenschaftler Jens Flatau und Frank Schröder festgestellt: Wenn die Dopingbekämpfer mit der Prävention anfangen, ist es längst zu spät.

Warum ein Sportler dopt, war bekannt, wegen Geld und Anerkennung, und in ihren Interviews mit Sportlern haben die beiden Wissenschaftler von der Universität des Saarlands zu hören bekommen, „dass die besten Sportler die schönsten Frauen haben“. Warum ein Sportler nicht dopt, das war für Flatau und Schröder die spannendere Frage. Antworten haben sie wie diese gefunden: Es sind die Eltern mit ihrer Wertevermittlung, die Sportler später vom Dopen abhalten. Eine Sportlerin gab an, sie müsste ja ihre Freunde, Kollegen und die Öffentlichkeit anlügen, wenn sie zu verbotenen Mitteln greifen würde. Und: Frauen sind mit dem Dopen vorsichtiger, sie wollen später gesunde Kinder. Alles andere hat wenig Aussicht auf Erfolg. „Ich sehe keinen Weg, um hier von institutioneller Seite anzusetzen“, sagt Flatau.

Dopingprävention als gut gemeintes, aber keineswegs gutes Instrument. „Die machen, was sie können, aber es funktioniert nicht“, sagt Flatau. Es fehle bei den Konzepten die Identifikation, die emotionale Bindung. Es nütze daher wenig, wenn eine Hockey-Olympiasiegerin einem Schwimmer sage, wie blöd doch Doping sei. Allenfalls ein auf Dauer angelegter persönlicher Kontakt könne etwas bewirken, je früher desto besser.

Die Institution für Dopingbekämpfung ist in Deutschland die Nada. Sie verteilt Broschüren, baut bei verschiedenen Veranstaltungen Infostände auf und tourt durch die Eliteschulen des Sports. 300 000 Euro bekommt sie vom Bundesinnenministerium allein für die Prävention, zwei hauptamtliche Beschäftigte kümmern sich bei der Nada um das Thema und auch Ulrike Spitz, die stellvertretende Geschäftsführerin der Nada. Das Forschungsergebnis der Saarbrücker Wissenschaftler will sie gar nicht anzweifeln. Aber ihr Begriff von Prävention ist weiter als der in der Studie verwendete. „Uns geht es auch um Information. Um sich an Regeln halten zu können, muss man sie erst mal kennen und sie auch verstehen“, sagt sie. Dopingfälle entstehen manchmal auch deshalb, weil ein junger Athlet ein Hustenmittel nimmt, das eine verbotene Substanz enthält. Und welcher Sinn hinter den Regeln steckt, wollen sie den jungen Sportlern ebenfalls vermitteln. Ihr Präventionskonzept hat die Nada weiterentwickelt. Auch Eltern werden nun angesprochen. „Wir fordern die Eltern auch auf, sich mit ihren Leistungsansprüchen auseinanderzusetzen“, sagt Spitz. Und den Athleten rieten sie: „Schafft euch ein zweites Standbein.“

Die Dopingaufklärung habe Schwung aufgenommen, sagt Spitz und will daher nicht den Ratschlag von Wissenschaftlern wie dem Saarbrücker Sportsoziologen Eike Emrich nachgeben, die Prävention der Familie, Schule und den Jugendverbänden zu überlassen: „Ich setze große Hoffnungen darauf, dass wir eine Generation von Sportlern haben, die besser aufgeklärt ist und denen wir Alternativen zum Doping aufgezeigt haben.“

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