Sport : Impulse eines Intellektuellen

Luka Pavicevic soll bei der Pokalendrunde mit Alba Berlin den ersten Titel seiner Trainerkarriere holen

Helen Ruwald

Berlin - Johannes Herber findet die Frage erheiternd. Ob Trainer Luka Pavicevic sich seit Saisonbeginn, als er die Basketballmannschaft von Alba Berlin übernommen hat, verändert hat? Herber muss lachen. „Er war von Anfang an strikt und er ist es immer noch“, sagt der deutsche Nationalspieler, der nach seinem Kreuzbandriss bei der Pokalendrunde an diesem Wochenende in Hamburg sein Comeback feiern könnte. „Im Umgang ist er vielleicht gelöster geworden. Er ist ein angenehmerer Zeitgenosse, als man vielleicht denkt“, fügt Herber hinzu. Pavicevic will schlicht kein Sympathieträger sein, er will Erfolg. Wer den 39-jährigen Serben beobachtet, sieht einen an der Seitenlinie wild gestikulierenden, schreienden Coach, der am liebsten in Sakko und Krawatte aufs Spielfeld stürmen und mitmachen würde, wenn seine Spieler oder die Schiedsrichter ihn zum Wahnsinn treiben.

Ehrgeiz treibt Pavicevic an, der als Spieler dreimal in Folge die Europaliga mit Jugoplastika Split gewonnen hat. Als Trainer stand er in diversen Halbfinals, hat aber noch keinen Titel gewonnen. Das soll sich morgen in der Hamburger Color-Line-Arena ändern, wenn Alba Berlin den ersten Triumph seit dem Pokalsieg 2006 feiern kann. Dazu muss der Bundesliga-Tabellenführer Alba allerdings zunächst heute Nachmittag im Halbfinale den Tabellenzweiten Artland Dragons Quakenbrück bezwingen, der in dieser Saison schon in Berlin siegen konnte. Im zweiten Halbfinale treffen die Eisbären Bremerhaven und die EnbW Ludwigsburg aufeinander.

Pavicevic kam im vergangenen Sommer von Panionios Athen nach Berlin. Alba war im Pokal und im Play-off-Viertelfinale gescheitert, der Klub trennte sich von vielen Spielern und von Trainer Henrik Rödl. Sein Nachfolger soll Alba Berlin den Pokalsieg, vor allem aber endlich den ersten Meistertitel seit 2003 bescheren. „Jetzt geht es nur um Titel“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, der von Pavicevics bisheriger Arbeit sehr angetan ist. „Er bringt viele Impulse, man spürt das Unbedingte, er pusht jeden Tag. Er hat diese Leidenschaft“, sagt Baldi. „Es ist zu früh zu sagen, dass er ein Großer ist, aber er ist ein umsichtiger Basketball-Intellektueller.“

Einer mit sehr speziellen Eigenarten: Pavicevic redet in der Öffentlichkeit aus Prinzip so gut wie nicht über seine Spieler, lobt nicht und kritisiert nicht. Diese Beurteilungen seien Interna und sollten es auch bleiben. Deshalb sind Pavicevics Aussagen zu Siegen auch sehr stereotyp: „Ich gratulieren meiner Mannschaft zu diesem wichtigen Sieg“, lautet eine seiner Standardformulierungen, ehe es noch ein bisschen um Defensive oder Offensive geht. Damit, dass er in Hamburg seinen ersten Titel als Trainer gewinnen könne, beschäftige er sich nicht, sagt Pavicevic, „es geht nicht um meine persönlichen Ziele, sondern um die des Klubs. Nur so wird der Einzelne belohnt“. Und überhaupt komme die Frage nach dem Titel zu früh – schließlich müsse erst einmal das Halbfinale gespielt und gewonnen werden.

Luka Pavicevic ist ein anspruchsvoller Zeitgenosse, einer, dessen Handschrift Baldi in Albas Spiel deutlich erkennt. „Das allein ist angesichts der vielen Verletzten, die wir hatten, und der Spielerwechsel in der Saison eine Energieleistung“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Pavicevic steht für feinen, anspruchsvollen Basketball, nicht verkünstelt, sondern effektiv.“ Das mache sich bei den verschiedenen Angriffssystemen ebenso bemerkbar wie in der Defensivarbeit des Bundesligisten. Aber „haben wir noch nichts erreicht“. Das soll sich jetzt ändern.

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