Sport : Impulse vom Fußballgott

Was sich Bayer Leverkusen von Jürgen Kohler erhofft

Erik Eggers

Leverkusen. Als sich am Montag die Mikrophone vor Jörg Butt aufbauten, hatte sich der Torhüter von Bayer Leverkusen bereits eine Meinung gebildet. „Der Jürgen Kohler gibt jetzt schon positive Impulse“, sagte Butt, er sei sehr gut in der Mannschaft aufgenommen worden. Ein kleines Detail nur irritierte bei dieser Aussage. Bei den Spielern hatte sich der neue Sportdirektor von Bayer Leverkusen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorgestellt.

Die Vorstellung übernahm dann wie gewohnt der wortgewaltige Manager Reiner Calmund in einer Pressekonferenz. Er redete vom absoluten Wunschkandidaten, vom Welt- und Europameister, vom Champions-League- und Uefa-Cup-Sieger, von den diversen nationalen Titeln und dem Spitznamen „Fußballgott“, den sich Jürgen Kohler bei Borussia Dortmund erworben hat. Nun hoffe der Klub, „dass der Jürgen uns auch kurzfristig in unserer Situation weiterhilft, auch wenn er selbst keine Tore schießen kann“. Seit Mitte März habe Bayer mit ihm verhandelt, sagte Reiner Calmund.

Warum die Verpflichtung ausgerechnet jetzt erfolgte, offenbarte er erst am Ende der Präsentation. „Das war mehr oder weniger ein Verzweiflungsakt nach den Absagen von Andreas Rettig und Rune Bratseth“, sagte Calmund. Was sich nach Aktionismus anhört, lässt den Manager gelassen. Zuletzt hatte er sich vorwerfen lassen müssen, mit dem Rauswurf von Trainer Klaus Toppmöller zu lange gewartet zu haben.

Kohler wirkte während Calmunds Ansprache fast abwesend. Erst als Calmund überraschend das Ende seiner Rede bekannt gab, erwachte Kohler aus seiner Wachschlafphase. „Ich freue mich, diese Aufgabe anzugehen“, sagte der neue Sportdirektor. Und vergriff sich sogleich bei seinen nächsten Worten. „Das Schöne ist, ich habe diese Situation, die Leverkusen gerade durchmacht, mit Dortmund schon einmal erlebt.“ Leverkusen dürfte die Situation nicht gerade als schön empfinden.

Dennoch bewies Kohler, dass er souveräner mit den Medien umzugehen versteht als der stets hölzern wirkende Trainer Thomas Hörster. So beantwortete er die Frage nach einer Entmachtung des aktuellen Coaches bereits mit seinem Eingangsstatement. „Der Trainer bleibt ganz klar für Taktik und Mannschaftsaufstellung zuständig“, sagte Kohler. Sitzt er beim nächsten Heimspiel gegen Hertha BSC auf der Bank? „Diese Frage werden wir am Freitag entscheiden.“

Ob er ausschließen könne, in der nächsten Saison als Trainer bei Bayer zu arbeiten, wurde Kohler gefragt. „Die Frage ist hypothetisch.“ Ebenso nebulös blieb, wie sich der neue Sportdirektor seinen Zugang zur Mannschaft vorstellt. Er sprach von verschiedenen Strategien. Für ihn wäre es allerdings, da er die Mannschaft noch nicht kenne, „fahrlässig, jetzt schon Wasserstandsmeldungen abzugeben“. Eines ist klar: Wenn Bayer am Samstag gegen Hertha verliert, ist sein neues Team fast schon abgesoffen.

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