Sport : In allem cleverer

Erik Eggers

Seit zwölf Jahren stürmt Ulf Kirsten schon für Bayer Leverkusen, 343 Bundesligaspiele hat er bis Samstag für seinen Arbeitgeber bestritten, 181 Tore geschossen. Und weil Kirsten auch 14 regionale Schlachten gegen den 1. FC Köln geschlagen hat, war sein Urteil gefragt, als es Unterschiede zwischen links- und rechtsrheinischem Fußball herauszuarbeiten galt. Sein Fazit: "Bayer 04 ist in allem cleverer."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Ein Stich in die Herzen der leidenden FC-Fans, aber auch eine treffliche Analyse des 2:0-Sieges des Tabellenführers gegen den Tabellenletzten. Das Match war nicht von überragender Qualität gewesen. Erneut erinnerte der geschäftsmäßige Stil, mit dem die Mannschaft von Klaus Toppmöller drei Punkte für die Meisterschaft einfuhr, an die fast arrogante Art, mit der die Bayern oft zu Titelehren gekommen waren. Nach 25 Minuten, nach einem Elfmeter von Butt und einem faszinierenden Hochgeschwindigkeits-Solo von Lucio, strebte die Leverkusener Betriebstemperatur gen Null. Derart interessenlos verfolgte der Liga-Primus fortan die Mitleid erweckenden Angriffsbemühungen der Kölner, dass Toppmöller sich genötigt sah, die "Zuschauer wegen der zweiten Halbzeit um Nachsicht zu bitten".

Nun denn, den unerotischen Derby-Sieg wird den Leverkusenern kaum jemand übel nehmen. Zu offensichtlich spukte bereits das rote Defensivgespenst namens FC Liverpool in den Köpfen der Spieler herum, das am morgigen Dienstag seinen 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel an der Anfield Road verteidigen wird. "Wir wollen das Wunder vollbringen und Liverpool aus der Champions League kegeln", sagt Toppmöller. Mittelfeldakteur Michael Ballack befürchtet dagegen ein fieses Deja-Vú-Erlebnis. "Die werden hier genauso defensiv auftreten wie im Hinspiel", sagt er über jene Mannschaft, die in dieser Saison bereits 26 Mal zu Null gespielt hat. Grundsätzlich sind Ballack die Meisterschaft und der Pokal sowieso wichtiger. "Die Mannschaft", meint er, "ist im Moment noch nicht reif für einen Champions-League-Sieg."

Es wird auf Kleinigkeiten ankommen in dieser diffizilen Begegnung. Schlüsselspieler wie Neuville und Zé Roberto müssen ihr vorsichtiges Zweikampfverhalten aus dem Hinspiel ablegen. Auch die fahrlässige Schläfrigkeit eines Dimitar Berbatow vom Samstag kann sich das Team nicht leisten. Liverpool ist nicht Köln, und Cleverness allein reicht nicht in Europa - einem wie Kirsten müsste man das nicht sagen.

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