Sport : In aller Gastfreundschaft

Die Deutschen werden in Iran begeistert empfangen

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Teheran Eigentlich erwartet Jürgen Klinsmann von der deutschen Fußball- Nationalmannschaft, dass sie stets mutig nach vorn strebt. Gestern Mittag aber ging das beim besten Willen nicht. Den Weg nach vorn versperrten 3000 Iraner, die der Nationalmannschaft auf dem Teheraner Flughafen einen begeisternden Empfang bereiteten. Die Gäste wählten schließlich den Weg zurück und stiegen auf dem Rollfeld in den Bus, der sie in ihr Hotel in der Stadt brachte. Auch auf dem Weg dorthin wurde die Mannschaft enthusiastisch gefeiert. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Christian Wörns, der immerhin 32 Jahre alt ist und in 59 Länderspielen einiges mitgemacht hat.

Man muss dazu sagen, dass selbst die Iraner einen solchen Auflauf am Flughafen Mehrabad erst zweimal erlebt haben: einmal 1997, als ihre Fußball-Nationalmannschaft nach erfolgreicher Qualifikation für die WM in Frankreich aus Australien zurückkehrte, und dann vor einem Jahr, als die Anwältin Shirin Ebadi nach der Verleihung des Friedensnobelpreises wieder in Teheran landete. „Die Spieler sollen das aufsaugen“, sagt Klinsmann über die Atmosphäre in Iran. „Schließlich hat man nicht allzu oft die Möglichkeit, hier hinzukommen.“

Für die Iraner gilt das Länderspiel gegen den Vizeweltmeister am Samstag (18 Uhr, live im ZDF) als das größte Sportereignis seit 30 Jahren. Deutschland ist die erste große westliche Fußballnation, die seit der islamischen Revolution 1979 in Iran spielt. Mindestens 90 000 Zuschauer werden im ausverkauften Azadi- Stadion sein. „Das ist schon etwas Außergewöhnliches“, sagt Klinsmann. Dass es zu dieser Begegnung kommt, liegt daran, dass der Deutsche Fußball-Bund die Opfer des schweren Erdbebens in Bam unterstützen will. In der Halbzeitpause wird DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder einen Scheck über eine Million Euro an die Gastgeber überreichen.

Sportlich erwartet Jürgen Klinsmann von seiner Mannschaft eine Fortsetzung des positiven Trends aus den beiden letzten Länderspielen – auch wenn er den Gegner nicht unterschätzt. Bei der Asienmeisterschaft scheiterten die Iraner erst im Halbfinale an Gastgeber China. „Sie hatten genügend Torchancen, das Spiel für sich zu entscheiden“, sagt Klinsmann, der auch das bisher einzige Aufeinandertreffen mit Iran noch warnend in Erinnerung hat. Bei der WM 1998 „hatten wir alle Mühe, das Spiel 2:0 zu gewinnen“. Oliver Bierhoff, inzwischen Manager der Nationalmannschaft, erzielte damals das erste Tor, Klinsmann das zweite. jgf/sth

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