Sport : In aller Unmöglichkeit

Stefan Hermanns

über das Scheitern von Dick Advocaat in Mönchengladbach Dick Advocaat hat als Trainer von Borussia Mönchengladbach vom ersten Tag an keine echte Chance bekommen. Sagt Christian Hochstätter, der Sportdirektor. Die Wahrheit ist: Dick Advocaat hat bei Borussia Mönchengladbach jede Chance bekommen, die er haben wollte. Er hat sie nur nicht genutzt.

Von Advocaats Möglichkeiten hätten seine Vorgänger Holger Fach, Ewald Lienen und Hans Meyer jedenfalls nur träumen können. Der Holländer durfte ungestraft über die Qualität seines Kaders herziehen, was bei Fach die fristlose Kündigung zur Folge hatte. Advocaat durfte seine Mannschaft einen unansehnlichen Fußball aufführen lassen, wofür Lienen schon nach sieben Monaten entlassen wurde. Und er durfte Spieler verpflichten, die auch Meyer immer gefordert hatte, jedoch nie zu finanzieren waren.

Advocaat hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass all seine Methoden nur einem einzigen Ziel dienen: erfolgreich zu sein. Erfolgreich aber ist er nicht gewesen, und deshalb war es nur folgerichtig, dass Advocaat nicht mehr Trainer von Borussia Mönchengladbach sein kann. Ebenso folgerichtig (und ehrenhaft) war es, dass er selbst seinen Rücktritt erklärt hat. Advocaat ist weder an den Fans noch an den Medien gescheitert. Das Verhältnis war nie gut, aber Advocaat selbst hat nie Wert auf einen harmonischen Umgang gelegt. Warum sollten die Fans einen Trainer in ihr Herz schließen, der selbst größtmögliche Distanz einhält? Außerdem ist eine innige Beziehung zu Fans und Medien keine zwingende Voraussetzung für Erfolg. José Mourinho pflegt beim FC Chelsea einen ebenso reservierten Umgang mit der Öffentlichkeit, seine Spieler aber würden sich jederzeit vor ihn stellen.

Gladbachs Spieler hingegen haben die Boulevardpresse mit Anti-Advocaat-Zitaten bedient, weswegen Sportdirektor Hochstätter die Hysterie im Umfeld beklagt hat. Die Stimmung in Mönchengladbach war schon erschreckend mies, als die Mannschaft noch neun Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze hatte. Jetzt, nur ein paar Wochen später, ist von diesem kommoden Vorsprung noch ein einziger Punkt geblieben.

Es ist kein gutes Zeichen, dass die schnell zu begeisternden Fans in der Personalie Advocaat hellsichtiger waren als Gladbachs sportliche Leitung.

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