Sport : In Angst

Fälle von Missbrauch im Sport

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„Das Verhältnis Trainer Sportlerin kann erst richtig leistungsfördernd sein, wenn es in der Grundstruktur dem des Zuhälters zur Prostituierten entspricht.“

(Ein Bundestrainer, aus der Studie „Mädchen in Bewegung, Sexuelle Gewalt und Prävention im Sport“)

In Berlin wurden im Mai 1999 innerhalb von acht Tagen zwei Jugendtrainer wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Der Fußballjugendtrainer Dirk S. war ein Mehrfachtäter. Das erste Mal stand S. 1990 vor Gericht. Er hatte als Trainer des Sportklubs Teutonia Spandau neun Jungen sexuell missbraucht und wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Kurze Zeit nach der Haftentlassung trainierte S. Jungen beim SC Staaken. Hier schlug er seine Schützlinge wiederholt – angeblich, weil sie schlecht gespielt hatten, nach Einschätzung der Justiz aber, um sich dadurch sexuell zu erregen. Die neue Strafe: zwei Jahre und vier Monate. Bevor er die Strafe verbüßt hatte, fiel er erneut auf. Im Freibad Pankow machte sich S. an fünf Kinder im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren heran. Der zweite Trainer hatte seine Position als Jugendcoach eines Rugby-Vereins ausgenutzt, um Kinder zu belästigen. Auch er war vorbestraft, weil er früher als Boxtrainer Jungen sexuell missbraucht hatte.

Der Eiskunstlauf-Trainer Karel Fajfr hat seine Schützlinge bei Fehlern gerne als „fette Sau“ oder „dumme Kuh“ beschimpft. Aber das war nicht alles: 1995 wurde er vom Stuttgarter Landgericht wegen Körperverletzung, sexuellen Missbrauchs und Misshandlung von Schutzbefohlenen verurteilt. Zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung lautete das Urteil. Fajfr hatte eine Athletin am Genick gepackt, geschlagen und getreten. Zudem hatte er eine andere Schülerin im Trainingslager sexuell missbraucht. Während der Verhandlung hatte der Stuttgarter Trainerkollege Friedrich Juricek erklärt, Faifr arbeite mit der Methode, „dass die Kinder vor ihm mehr Angst hatten als vor einem Sturz“. Ende 2002 engagierte die Eiskunstläuferin Susanne Stadlmüller den Trainer Faifr vor den Deutschen Meisterschaften. Faifrs Berufsverbot von drei Jahren war abgelaufen.

Graham James war eine Koryphäe, einer der erfolgreichsten Nachwuchstrainer Kanadas im Eishockey. Alle Welt schwärmte von dem Junggesellen. Auch Sheldon Kennedey, der Jahre später, 1997, vor einer fassungslosen kanadischen Nation aussagte, dass ihn sein Trainer vom 14. Lebensjahr an missbraucht habe. „Graham war für mich wie ein Vater“, sagte Kennedey aus. Um so mehr musste ihn verwirrt haben, dass James gleich in der ersten Nacht zu ihm ins Bett kroch. Kennedey wehrte sich nicht beim ersten, nicht beim zweiten Mal. Er wehrte sich nie. Aus Angst. Am Ende hatte James seinen ihm anvertrauten Schützling über 300 Mal missbraucht. ale

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