Sport : In Baden untergegangen

Der VfB Stuttgart kassiert beim 0:2 in Freiburg die erste Niederlage dieser Saison

Christoph Kieslich[Freiburg]

Es muss eine der verborgenen Gesetzmäßigkeiten des Fußballs sein, dass es immer dann am kniffligsten ist, wenn die Ausgangslage die einfachste zu sein scheint. So feierte ein von Personalnöten gebeutelter SC Freiburg einen eigentlich nicht für möglich gehaltenen 2:0-Sieg in einem hochspannenden baden-württembergischen Derby gegen den zuletzt so souveränen und in 13 Pflichtspielen ungeschlagenen VfB Stuttgart. Der verlor nicht nur sein erstes Saisonspiel überhaupt, sondern auch die Tabellenführung in der Bundesliga.

„Im Fußball brauchst du Selbstvertrauen und Siege“, sagte Alexander Iaschwili, doch woher sollten die Freiburger Selbstvertrauen nehmen nach drei mehr oder weniger demoralisierenden Niederlagen, mit denen sie erstmals nach dem Wiederaufstieg auf einen Abstiegsrang abgerutscht waren. Die Freiburger versuchten zunächst einmal Sicherheit zu gewinnen. Trainer Volker Finke hatte seine Grundordnung verändert, eine Innenverteidigung im Dreierblock (Schumann, Diarra und Mohamad) aufgeboten und davor Tobias Willi und Dennis Kruppke, die nur eine Aufgabe hatten: rennen und noch mal rennen.

Diese Rechnung ging auf. Die Stuttgarter fanden keine Mittel gegen die engagierten Gastgeber, die eine ungewöhnlich hohe Aggressivität im Zweikampfverhalten an den Tag legten. Und wie man sich Selbstbewusstsein holt, wurde in der 35. Minute deutlich, als Iaschwili von der Grundlinie aus schulbuchmäßig von Kruppke bedient sein erstes Saisontor erzielte. Für Timo Hildebrand im VfB-Tor war es nach 537 Minuten der erste Gegentreffer.

Der Favorit aus der Landeshauptstadt kam erst nach dem Wechsel besser ins Spiel, und das, obwohl er von der 69. Minute an in Unterzahl spielen musste. Die Rote Karte für eine Tätlichkeit, die Martin Stranzl auf Veranlassung von Assistent Heiner Müller vom Schiedsrichter Markus Merk erhielt, erwies sich zwar als völlig überzogen, weil Provokateur Willi theatralisch fiel, doch damit waren die Schwaben endgültig angestachelt. Viel fehlte bei den besten Chancen für Cacau, Kuranyi und Tiffert in der Schlussviertelstunde nicht.

Die Stuttgarter müssen sich den Vorwurf machen, in der ersten Hälfte zu wenig getan zu haben. „Da haben wir nur zugeschaut“, sagte Kapitän Zvonimir Soldo, der zu den Schwächsten seiner Mannschaft gehört hatte. Trainer Matthias Sammer wollte nicht am Freiburger Sieg herummäkeln, fühlt die Mannschaft durch den Platzverweis doppelt bestraft, weil Stranzl nun auch am Mittwoch gegen Meister Werder fehlen wird. Sammer sagte aber auch: „Wir müssen lernen, von uns auch überzeugt zu sein, wenn es mal zäher läuft.“

Seinem Kollegen stattete Sammer ein Kompliment ab: „Volker Finke hat es mal wieder geschafft, es in einer schwierigen Situation hinzubekommen.“ Das Freiburger Geheimnis war laut Finke „eine relativ einfache Ordnung auf dem Platz“ und eine hohe Laufbereitschaft. Den Schlusspunkt setzte Soumailia Coulibaly, der Hildebrand mit einem knallharten Freistoß- Aufsetzer aus mehr als 25 Metern überwand. Für den Malier war es in der Nachspielzeit ebenfalls das erste Saisontor.

Während die Freiburger mit dem ersten Heimsieg in dieser Spielzeit auf Platz zwölf kletterten und sich aus ihrer kritischen Situation befreiten, ärgerte sich der Stuttgarter Mittelfeldspieler Horst Heldt nur kurz: „Wir können uns nicht so lange mit dieser Niederlage aufhalten. Am Mittwoch haben wir den nächsten Knaller vor uns.“

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