Sport : In beiderseitigem Irrtum

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Stefan Hermanns über die Illusionen

des Klaus Toppmöller

Es geht voran beim Hamburger Sportverein. Die Zeichen der Besserung unter dem neuen Trainer Klaus Toppmöller sind unverkennbar. Bernardo Romeo zum Beispiel trifft jetzt wieder. Drei Tore hat er in zwei Spielen erzielt, nachdem der Stürmer unter Toppmöllers Vorgänger Kurt Jara oft nur noch Ersatz war. Das kommt nicht von ungefähr. Toppmöller, der als Spieler so stürmisch war, wie es seine Frisur noch heute ist, liebt den Offensivfußball. Unter dem neuen Trainer hat die Mannschaft in zwei Spielen vier Tore geschossen, bei Jara waren es in neun Begegnungen nur sieben. Beide Male ist sie 2:0 in Führung gegangen. Auch das ist neu. Zu Jaras Zeiten geriet der HSV regelmäßig in Rückstand – allerdings hat er da noch manchmal gewonnen. Seitdem der neue Trainer da ist, hat das Team nur einen Punkt geholt.

Toppmöller kennt das gut: kurz vor dem Ziel stehen – und dann doch noch scheitern. Mit Bayer Leverkusen führte er lange die Tabelle der Bundesliga an – und wurde Zweiter. Mit Bayer Leverkusen stand er im Finale der Champions League – und verlor. Mit Bayer Leverkusen erreichte er das DFB-Pokal-Endspiel – und verlor. Alles binnen zehn Tagen.

Toppmöllers Ruf als Trainer hat darunter nicht gelitten. Geblieben ist vor allem die Erinnerung an den schönen Offensivfußball, den Bayer unter ihm gespielt hat. Und wenn man Toppmöller glauben darf, hat er die Zeit seit seiner Entlassung vor allem damit verbracht, die eingehenden Jobangebote eingehend zu prüfen. Die meisten hat er abgelehnt, für Barcelona hätte er sich wohl erwärmen können, aber der HSV ist natürlich auch eine große Nummer. So groß wie Hertha ungefähr. In Hamburg schwadronieren sie auch schon seit Jahren von riesigen Potenzialen, von europäischem Fußball und anderen Hirngespinsten. Nach oben aber gingen nur die Schulden.

Der HSV hat gedacht, er bekomme einen international renommierten Trainer. Toppmöller hat gedacht, er arbeite für einen international renommierten Verein. Aber er hat nicht lange gebraucht, um festzustellen, dass die Voraussetzungen in Hamburg nicht ganz so gut sind, wie sie es in Leverkusen waren. Mit Bayers Kader hätte jeder Trainer außer Berti Vogts erfolgreich gearbeitet. Der HSV aber braucht viele neue Spieler. Toppmöller hat schon angekündigt, dass er den Kader kräftig umbauen will. Das Dumme ist, dass der HSV dafür gar kein Geld hat.

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