Sport : „In Berlin ist so etwas unmöglich“

André Görke

Berlin - Wenn Detlef Reichenbacher über das Szenario Stromausfall reden soll, lehnt er sich nur zurück und lächelt. „Vergessen Sie’s“, sagt der Technische Direktor des Olympiastadions. „Wenn bei uns in Berlin der Strom ausfällt, dann bemerkt das kein Mensch.“ Am späten Freitagabend hat Reichenbacher nicht gelächelt. Er war viel mehr verwundert über die Nachricht aus Bremen. Kein Strom, kein Licht, kein Telefon – „das ist peinlich“, sagte Reichenbacher. „In Berlin ist so etwas unmöglich.“

Anders als Bremen ist Berlin Spielort der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Im Pflichtenheft des Weltverbandes Fifa steht unter „Kapitel 1.15: Ersatzstromversorgung“: „Eine Spielunterbrechung durch Stromausfall ist auszuschließen.“ Demnach müssten alle WM-Stadien zwei Stromeinspeisungen einrichten, „die unabhängig voneinander und so geschaltet sind, dass bei Stromausfall sofort und automatisch auf die Ersatzstromeinspeisung umgeschaltet wird“. Das ist ein kleiner feiner Unterschied: Es handelt sich eben nicht nur um einfache Notstrom-, sondern um Ersatzstromaggregate. Deshalb würden Flutlichtanlage und Fernseheinrichtungen weiter funktionieren. Bei der WM werden diese Aggregate in der Größe von vier Schiffscontainern auf dem Maifeld stehen und parallel zum normalen Stromnetz laufen. Die Mietkosten betragen 70 000 Euro. Die Bremer mussten die Geräte nicht anschaffen – sie sind mit ihrer WM–Bewerbung gescheitert.

Selbst bei Bundesligaspielen wie dem heute zwischen Hertha BSC und Bochum ist das Olympiastadion abgesichert. Zwei Hauptstromleitungen versorgen das Stadion, Vorschrift ist nur eine. Wenn also eine Stromleitung – wie gestern in Bremen – durch einen Bagger gekappt wird, wird der Strom sofort über die andere Leitung eingespeist. Der Zuschauer bekommt davon so gut wie nichts mit. Lediglich Klimaanlage und Küche würden ausfallen, das Flutlicht von 1500 Lux auf 1000 gedimmt. Der Spielbetrieb in der Liga wäre damit erlaubt. Nur wenn noch die zweite Leitung gekappt würde, wäre es dunkel im Stadion. Allerdings nicht nur dort. Reichenbacher sagt: „Dann liegt der gesamte Norden Berlins in der Dunkelheit. Und das ist seit dem Krieg erst einmal passiert.“

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