Sport : In Büschen und Bäumen

Tiger Woods scheitert bei den US Open am Cut

Petra Himmel[Mamaroneck]

Grimmige Miene, entschlossen hochgehobener Kopf, der schnelle Gang zu den Reportern. Die Körpersprache von Tiger Woods sagte alles. Eine Niederlage wie diese hat er in seiner Profizeit noch nie bezogen. Nach der zweiten 76er Runde in Folge auf dem Platz von Winged Foot in New York, wo heute die 106. US Open zu Ende gehen, ging es dem Weltranglistenersten nur noch darum, die lästigen Pflichten hinter sich zu bringen: Das Resümee vor der Presse, dann die Koffer packen und nichts wie weg nach Hause.

Einen Tiger Woods wie in Winged Foot hat man über Jahre nicht zu sehen bekommen. Nach einer neunwöchigen Spielpause, die er wegen des Todes des krebskranken Vaters am dritten Mai, eingelegt hatte, spielte der ansonsten so beherrschte Superstar zwei Runden lang so wie man ihn noch nie gesehen hat.

Unkonzentriert, mit katastrophalen Abschlägen, von denen nur sieben die Fairways fanden. Unter Büschen und Bäumen lagen die Bälle, denen er in der Folge auch auf den Grüns nicht Herr wurde. 63 Putts waren deutlich zu viel, oder, wie Woods es formulierte: „Bis ich mich an die für die US Open ungewöhnlich langsame Geschwindigkeit der Grüns gewöhnt hatte, war es einfach zu spät.“ Eine Rekordjagd nahm ein ungewöhnliches Ende.

Woods verpasste bei seiner 38. Major-Teilnahme zum ersten Mal den Cut nach zwei Runden. Zuletzt war ihm das als Amateur beim US Masters 1996 passiert. „Ich bin total genervt“, bilanzierte der 30-Jährige. „Das ist die Kernaussage. Dabei war mein Schwung nicht eingerostet. Unglücklicherweise habe ich einfach nur nicht alle Stücke des Spiels zur richtigen Zeit passend zusammengebracht. Noch frustrierender ist, dass ich den Ball eigentlich sogar richtig gut getroffen habe.“

Während Woods seinen Ärger deutlich zum Ausdruck brachte, versuchten die Kollegen den unerwarteten Einbruch des zehnmaligen Majorsiegers zu relativieren: „Das hier sind die härtesten Spielbedingungen der Welt bei einem Majorturnier“, sagte Titelverteidiger Michael Campbell. „Er war zum ersten Mal wieder auf dem Platz nach einer neunwöchigen Pause, sein Vater ist gestorben. Meine Güte, eigentlich sollte man schon positiv vermerken, dass er überhaupt angetreten ist.“

Gegen seinen derzeit ärgsten Herausforderer Phil Mickelson, hat Woods bei der US Open jedenfalls Punkte verloren. Der Weltranglistenzweite, der nach zwei Major-Siegen in Folge im Moment der erfolgreichste Spieler bei den großen Turnieren ist, lag nach zwei Runden mit drei Schlägen über Par (70) auf dem geteilten dritten Platz, nur vier Schläge vom Führenden Steve Stricker entfernt, und damit aussichtsreich im Rennen. „Mickel-Slam“ heißt der persönliche Rekord, den der 31-Jährige anstrebt: Nach dem Gewinn bei der US PGA Championship vergangenen Sommer und den US Masters im April hat Mickelson nach wie vor die Chance alle vier Majors in Folge zu gewinnen und auf diese Weise mit Woods herausragender Leistung aus den Jahren 2000 und 2001 gleichzuziehen.

Der früher so unberechenbare Sonnyboy, der seinem aggressiven Spielstil ein ums andere Mal einen Titel opfern musste, präsentiert sich seit letztem Sommer gewandelt: Er trifft nun klügere, weniger riskanten Entscheidungen.

Er punktet am Ende mit seinem herausragenden kurzen Spiel, bei dem er brilliert wie kein anderer Kollege. Deshalb hebt sich Mickelson aus der Gruppe der besten Woods-Herausforderer mit Vijay Singh, Retief Goosen und Ernie Els heraus. Sein Selbstvertrauen, so Trainer Rick Smith, „ist wolkenkratzerhoch.“ Eine Tatsache, mit der Woods schwer leben kann. Mickelson hat noch nie zu seinen besten Freunden gehört. Weshalb sich der enttäuschte Verlierer denn auch mit einer Ankündigung aus Winged Foot verabschiedete, die schon fast einer Drohung gleich kam: „Bedauerlicherweise habe ich das hier verpatzt, aber ich hoffe, dass ich die British Open gewinnen werde.“

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