Sport : In Dänemark gestählt

Handballerinnen wollen Medaille für Deutschland

Erik Eggers[Peking]

Die deutschen Handballerinnen hatten in der vergangenen Woche viele Eindrücke zu verarbeiten: das olympische Dorf, die fantastischen Bauten in Peking, die Gegensätze der chinesischen Kultur. Beim Auftakt heute gegen Brasilien ins olympische Turnier geht es sportlich weit weniger exotisch zu. Man kennt sich. Die meisten Profis, die hier auflaufen, verdienen ihr Geld in der „Toms Ligen“ in Dänemark, der besten Frauen-Handballliga der Welt.

Auch sechs deutsche Handballerinnen sind in Dänemark beschäftigt, angeführt von ihrer Kapitänin Grit Jurack. „Sie hat alles erst möglich gemacht“, sagt Nora Reiche, die mit Jurack beim Spitzenklub Viborg HK spielt, aber in Peking wegen einer Knieverletzung fehlt. Jurack ist eine Pionierin. Als sie 2002 nach Ikast wechselte, fiel sie schon dadurch auf, dass sie exzellent Dänisch sprach. Dazu war sie keinesfalls arrogant, was vielen Deutschen dort nachgesagt wird. Sie kam richtig gut an beim Viborg Handbold Klub.

Die dänischen Klubs, angetan von Juracks Persönlichkeit, warben um andere deutsche Handballerinnen. Heute spielen neben Jurack, Reiche und Kreisläuferin Anja Althaus (alle Viborg) auch Nadine Krause, Maren Baumbach (Kopenhagen), Steffi Mehlbeck (Kolding) und Nina Wörz (Randers) in der Toms Ligen. Der harte Wettbewerb hat sie alle gestählt. „Unsere Mannschaft ist so stark, da ist es manchmal schwerer, einen Platz in der Stammformation zu erkämpfen, als nachher die Spiele zu bestreiten“, sagt Jurack. Aber die zähen Deutschen haben sich durchgesetzt – zur Freude des Bundestrainers Armin Emrich: „Ich sehe das uneingeschränkt positiv“, sagt er. Nicht nur das sportliche Niveau der deutschen Mannschaft steige, „die Spielerinnen entwickeln sich auch als Persönlichkeit weiter“.

Auf jeden Fall haben sich die deutschen Handballerinnen zu einem Medaillenkandidaten entwickelt – so homogen und eingespielt wirkten sie zuletzt. „Wir fahren nicht dahin, um uns das olympische Dorf anzugucken“, sagte Althaus vor dem Abflug. Allerdings profitieren auch die Spielerinnen anderer Nationen von der Klasse der dänischen Liga, die brasilianische Torhüterin Chana Masson zum Bespiel, zwei Südkoreanerinnen und gleich sieben Schwedinnen. Nur der Olympiasieger von Athen 2004 muss zuschauen. Die dänische Mannschaft ist nicht qualifiziert.

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