Sport : In den Augen liegt die Kraft

Füchse-Trainer Sigurdsson reißt mit seinen Emotionen die Spieler mit – begeht aber dadurch auch Fehler

Hartmut Moheit
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Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Gebangt habe er schon, gibt Mark Bult zu, aber diesmal nicht um sein Team. Und es gab niemanden bei den Füchsen Berlin, der dafür nicht Verständnis aufbrachte. Während sich das Team von Trainer Dagur Sigurdsson bei der favorisierten SG Flensburg-Handewitt mit 24:27 recht achtbar schlug, saß der Holländer auf einer Entbindungsstation, um Freundin Natasha beizustehen. Und knapp eineinhalb Stunden nach dem Abpfiff in der Campushalle hatte wenigstens der 27-Jährige Grund zum Jubel. „Unser Sohn Noah ist geboren worden“, erzählt Bult stolz, „jetzt werfe ich gegen Göppingen bestimmt zehn Tore.“

Diese Treffer könnte der Berliner Handball-Erstligist am kommenden Samstag in der Schmeling-Halle (15 Uhr) auch gut gebrauchen. Denn dann wird von den Füchsen auf ihrem selbst beschriebenen Weg in Richtung Europacupplatz ein Sieg erwartet. „Deshalb sind Spiele dieser Art viel schwieriger als gegen ein Top- Team“, sagt Bob Hanning. Zu den psychologisch einfacheren Aufgaben zählt der Füchse-Geschäftsführer demnach das Pokalspiel am Dienstag beim THW Kiel. „Da fährst du mit Freude hin, bist happy in der Atmosphäre dort spielen zu können, und kannst nur überraschen“, meint Hanning. Was nicht heißen soll, dass die Füchse von vornherein von einer Niederlage ausgehen. Aber sie wissen, dass ihnen zu einem Spitzenteam noch einiges fehlt.

Zwar waren die Füchse schon beim 26:29 gegen Lemgo vom Ergebnis her recht nah an einem Punktgewinn, aber realistisch gesehen doch noch ein ganzes Stück davon entfernt. Die Fehlerquote bei Mannschaft und Trainer ist noch zu hoch. Das Team leistet sich zu viele technische Aussetzer, die Angriffseffektivität reicht für höhere Ziele noch nicht aus. „Kjetil Strand habe ich nach einer überragenden Vorbereitungsserie in den ersten drei Punktspielen praktisch noch nicht gesehen“, sagt Bob Hanning. Und auch Konrad Wilczynski sei auf Linksaußen nicht die erwartet starke Stütze. Aber die Emotionalität auf dem Feld stimme, „was in den zurückliegenden zwei Jahren nicht mehr der Fall war“. Das schreibt Hanning dem neuen Trainer zu. Etwas pathetisch formuliert er, welche Wirkung der Isländer hinterlässt: „Die Spieler schauen Dagur in die Augen, entdecken darin Begeisterung und schöpfen daraus Kraft.“

Dabei passieren auch Dagur Sigurdsson Fehler, die er aber auch ohne Scheu zugibt. Beispielsweise nahm er – obwohl er wohl nicht im Unrecht war – auf seine Kappe, dass er in Flensburg bei einer Schiedsrichterentscheidung zu emotional reagierte und so ein Spieler für ihn eine Zwei-Minuten-Strafe kassierte. „Auch er muss lernen, was bei dem einen in der Bundesliga geht, bei dem anderen nicht“, sagt Hanning. Alles sei dem Erfolg untergeordnet, der zwangsläufig kommen werde. Dass ein Mark Bult jetzt unbeschwert spielen kann, kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.

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