Sport : In den Tiefen des Stufenplans

Ohne Olympia-Teilnahme droht den deutschen Volleyballern finanzieller Schaden

Karsten Doneck

Berlin. Alles hängt von den Frauen ab. Oder zumindest fast alles. Wie der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) in naher Zukunft finanziell über die Runden kommt, darüber entscheiden jetzt ein paar Ergebnisse der deutschen Frauen-Nationalmannschaft im fernen Aserbaidschan. In Baku kämpft die DVV-Auswahl derzeit um die Olympia-Qualifikation für Athen 2004. Sollte sie scheitern, was nach dem 2:3 gestern gegen Polen wahrscheinlich ist, „dann wäre der Einnahmeverlust für uns gewaltig“, sagt Werner von Moltke. Der DVV-Präsident erklärt: „Es ist ganz einfach: Wer bei Olympischen Spielen nicht dabei ist, der sinkt beim Bundesinnenministerium in eine niedrigere Förderstufe.“ Die deutschen Volleyballerinnen würden bei einem Scheitern in Baku in die Förderstufe III zurückfallen – tiefer geht es nicht.

Von Moltke verbreitet ungebrochenen Optimismus. „Die Frauen können uns rausreißen“, sagt er – wohlwissend, dass die deutsche Männer-Nationalmannschaft seit Jahren in der niedrigsten Förderstufe feststeckt. Auch dem Team von Bundestrainer Stelian Moculescu droht nun bei der Olympia-Qualifikation in Leipzig das frühzeitige Aus, womöglich schon heute (20 Uhr, live in Eurosport) gegen den Vizeweltmeister Russland.

Volleyball in Athen ohne deutsche Beteiligung – das würde den DVV zum Sparen zwingen. „Lehrgänge mit der Nationalmannschaft, Reisen zu Länderspielen, Turniere – da müssten wir Abstriche machen“, sagt von Moltke. Sponsoren, die das finanzielle Loch schließen, gibt es derzeit nicht. Immerhin existiert mit den Bundesligisten seit Jahren eine Übereinkunft, dass der DVV seinen Klubs für die Abstellung von Nationalspielern keinerlei Entschädigung zahlen muss.

Wie viel Geld der Verband aus den Fördermitteln erwartet, darüber schweigt von Moltke. Aus gutem Grund. „Es gibt keine festen Summen“, sagt er. Es existiert also ein Verhandlungsspielraum, klein zwar, aber immerhin. Den kann der DVV gerade im Männer-Volleyball mit guten Argumenten füllen. Wer in Förderstufe III abgerutscht ist, der erhält mit dem Geld aus dem Innenministerium auch unausgesprochen den Hinweis, sich mehr um den Nachwuchs zu kümmern, sich langsam wieder mehr an die internationale Spitze heranzutasten. Aber gerade die Männer sind derzeit auf dem Weg dazu. Bundestrainer Moculescu hat eine sehr junge Mannschaft formiert. „Vielleicht wäre es besser, die Olympia-Qualifikation würde erst in einem Jahr stattfinden, dann wären wir noch ein bisschen weiter“, hat Nationalspieler Björn Andrae gesagt. „Es sind immer nur Kleinigkeiten, die uns zum großen Wurf fehlen“, hat Werner von Moltke registriert. Hinter beiden Aussagen steckt der feste Glaube an eine nahe bessere Zukunft.

Und die nächste Chance, sich in der Förderstufen-Hierarchie wieder nach oben zu arbeiten, die kommt bestimmt. Allerdings erst bei der Weltmeisterschaft im Jahre 2006.

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