In der Abwehr : Hertha sucht nach Sicherheit

Die Berliner sind mit der Innenverteidigung in dieser Saison noch nicht richtig glücklich geworden. Steve von Bergen und Kaka werden trotzdem nicht infrage gestellt.

Stefan Hermanns
DFB-Pokal - Borussia Dortmund - Hertha BSC Berlin
Fallen gelassen. Herthas Abwehr wirkte zuletzt nicht immer sicher.Foto: dpa

Der Einsatz von Steve von Bergen im Derby gegen Cottbus ist nicht in Gefahr. Dabei hat der Abwehrspieler von Hertha BSC Probleme mit seinem Hals. Wie sich die Beschwerden äußern, hat von Bergen nicht erzählt: Kratzen? Atemnot? Schluckbeschwerden? Von Bergen sagt, dass ihm sein Dribbling gegen den VfL Wolfsburg immer noch im Hals stecke. In letzter Minute startete der Schweizer vor dem Strafraum ein ambitioniertes Solo, er verlor den Ball und leitete damit den späten Ausgleich der Wolfsburger ein. Seitdem hat Steve von Bergen seinen Platz in der Viererkette des Berliner Fußball-Bundesligisten erst einmal verloren.

Für den 25-Jährigen ist das eine völlig neue Erfahrung. Seit dem Sommer des vorigen Jahres spielt Steve von Bergen für Hertha, seine Befähigung zum modernen Verteidiger ist unbestritten, doch auch in seiner ersten Saison in der Bundesliga sind ihm einige individuelle Fehler unterlaufen. Trainer Lucien Favre hat seinen Landsmann trotzdem immer wieder hartnäckig eingesetzt. So oft, dass er sich schon fast dem Vorwurf der Vetternwirtschaft ausgesetzt sah. „Als Trainer musst du Toleranz üben und Fehler akzeptieren“, sagt Favre. Das ist eine gute Nachricht – vor allem für den Brasilianer Kaka, der in dieser Woche, bei Herthas Pokal-Aus in Dortmund, beide Gegentore verschuldet hat.

Richtig glücklich sind die Berliner mit ihrer Innenverteidigung in dieser Saison noch nicht geworden. Von Bergen begünstigte nicht nur den späten Ausgleich gegen Wolfsburg; beim 1:4 in München half er drei Toren der Bayern auf den Weg. Kaka patzte vor dem 1:1 gegen Arminia Bielefeld. In Dortmund war dem Brasilianer die Verunsicherung deutlich anzumerken, nachdem er schon nach fünf Minuten für ein Foul an Nelson Valdez mit einem Elfmeter bestraft worden war.

Generelle Zweifel an Kaka hegen sie bei Hertha trotzdem nicht. „Er hilft uns unheimlich“, sagt Manager Dieter Hoeneß. „Er muss nur seine Konzentrationsschwächen abstellen.“ Der Brasilianer sei ein mutiger Vorwärtsverteidiger, hart am Mann und extrem ungemütlich. „Wenn du als Stürmer gegen ihn spielen musst, ist das eine Katastrophe.“ Trainer Favre gibt zu, dass die Umstellung auf die Bundesliga noch Zeit brauche. Dass sie ihm gelingt, daran zweifelt er nicht. Das bestätigt auch Torhüter Jaroslav Drobny: „Er wird besser. Das sieht jeder im Training.“

Trotzdem: An der Seite des fahrigen Kaka glänzten zuletzt zwei Berliner Altkader. Josip Simunic spielte vor einer Woche in Mönchengladbach überragend, Arne Friedrich war gegen Dortmund bester Berliner. Herthas Kapitän durfte von der rechten Seite zurück in die Innenverteidigung, weil Simunic gesperrt war und Favre sein Vertrauen in von Bergen offensichtlich noch nicht wiedergefunden hat. Wäre es da nicht naheliegend, das Duo Simunic/Friedrich wieder zu vereinen?

Das Problem ist: Wenn Favre die beiden für das ideale Verteidigerduo hielte, hätte er es eigentlich nie zerschlagen müssen. Dass er in dieser Angelegenheit konsequent seine Linie verfolgt hat, sagt einiges über den Schweizer und seine Arbeitsweise. Auf Einflüsterungen von außen nimmt er keinerlei Rücksicht – auch auf die Gefahr hin, als Sturkopf zu gelten. Aber sind das nicht alle großen Trainer?

Favres Umgang mit Simunic ließ fast schon auf eine grundsätzliche Abneigung schließen. Den Gerüchten, dass der Klub den Kroaten im Sommer abgeben wollte, hat niemand ernsthaft widersprochen – zumal Hertha mit Kaka schon einen potenziellen Nachfolger verpflichtet hat. Simunic wurde hin und her geschoben, aus der Abwehr ins defensive Mittelfeld und am Beginn dieser Saison sogar auf die Ersatzbank. Umso überraschender ist, dass Favre den Kroaten nun beinahe überschwänglich lobt. „Joe hat keine Probleme mit dem Ball“, sagt er. „Er versteht taktisch perfekt, was ich will.“ Hört sich verdächtig nach einer umfassenden Einsatzgarantie an.

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