• In der Arena ist es so heiß, dass es selbst hitzegeprüften Spaniern und Kenianern zu heiß wird - und dem Thermometer der Deutschen Welle TV

Sport : In der Arena ist es so heiß, dass es selbst hitzegeprüften Spaniern und Kenianern zu heiß wird - und dem Thermometer der Deutschen Welle TV

Jörg Wenig

Reyes Estéves, der spanische Bronzemedaillengewinner über 1500 m, erschien vor einigen Tagen zu einer Pressekonferenz in einer Jacke. Den Reissverschluss bis obenhin zugezogen. Ob ihm kalt sei, fragte ein Journalist, halb amüsiert, halb besorgt. Großes Gelächter in der Runde, denn wie einem in Sevilla kalt werden kann, lässt sich zur Zeit nicht herausfinden. Auch Estéves musste lachen und erklärte, dies sei eine Vorsichtsmaßnahme angesichts der Klimaanlage. Diese kann in der Tat gefährlich werden. Mancher Athlet hat sich durch den Luftzug schon einen Infekt eingefangen.

Auf der Suche nach der Höchsttemperatur wurden auch wir nicht fündig. Dabei hatten wir auf Deutsche Welle TV gebaut, doch auch die Kollegen haben nicht abschließend klären können, wie heiß es denn nun in Sevilla ist. Sie hatten sich nämlich das falsche Thermometer besorgt. Im Schatten außerhalb des Stadions machte das noch keine Probleme. Zwischen 38 und 39 Grad ergab die Messung. Wahrscheinlich in einem Kühlschrank haben sie es dann geschafft, den Quecksilberstand auf 20 Grad zu drosseln. Anschließend haben die TV-Kollegen das Thermometer ins Stadion gelegt und gefilmt. Doch nach 25 Minuten war Schluss. Nichts ging mehr. Die Kamera hielt der Hitze zwar stand, doch das Thermometer war am Ende - am Ende der Skala zumindest. Bei gut 60 Grad hörte die Anzeige auf.

Sevilla hat wahrscheinlich für ein Novum gesorgt: Selbst die afrikanischen Läufer, denen es bei normalen Sommertemperaturen schnell einmal kühl werden kann, finden es zu warm hier. "Ja, auch für einen Kenianer war es heiß", sagte Paul Tergat, nachdem er im 10 000-m-Finale Zweiter geworden war. Und der Sieger, Haile Gebrselassie aus Äthiopien, stellte fest: "Es ist hier heißer als bei mir zu Hause!"

"Es ist nicht heiß, es ist normal. Es ist Sommer hier", sagte der Manager etlicher spanischer Weltklasseläufer, Miguel Mostaza, am letzten Wochenende. Doch inzwischen ist es noch ein wenig wärmer geworden, sodass selbst Spaniens hitzeerprobte Marathonläufer auf eine "Abkühlung" hoffen. Abel Antón und Martín Fiz hatten bei brütender Hitze vor zwei Jahren in Athen für einen spanischen Doppelsieg im Marathon gesorgt. "Wir haben in Sevilla auf Temperaturen von über 25 Grad gehofft, aber nicht auf über 40 Grad", sagt Fabian Roncero vor dem Marathon, der heute stattfindet. Das Rennen wird um 18.45 Uhr gestartet, obwohl es in Sevilla nicht mittags, sondern am späten Nachmittag am heißesten ist. "Das Wetter entscheidet. Wer am besten mit der Hitze zurecht kommt, gewinnt", sagt Abel Antón, der nach seinem Sieg in Athen drei bis vier Monate brauchte, um sich zu erholen.

Manche Athleten kommen besser mit den extremen Temperaturen zurecht, andere schlechter. Gelitten hat unter anderen der deutsche Hürdenrekordler Florian Schwarthoff. "Mir ist aufgrund der Hitze die Kraft ausgegangen", sagte der Ludwigshafener, nachdem er im 110-m-Hürdenfinale Rang sieben belegt hatte. "Auf dem Einlaufplatz hatten wir Temperaturen zwischen 50 und 60 Grad. Im Callroom dachte ich, mir platzt der Kopf."

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