Sport : In der Bahn von Kelli White

100-m-Weltmeisterin Torri Edwards war gedopt

-

Sacramento Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein weiterer Dopingfall im US-amerikanischen Spitzensport bekannt wird. Gestern erwischte es Torri Edwards. Sie wurde 2003 Weltmeisterin über 100 Meter – bezeichnenderweise aber nur, weil der Siegerin von Paris, Kelli White, die Goldmedaille wegen Dopings aberkannt wurde. Nun ist also auch die Nachrückerin Edwards überführt. Sowohl die A- als auch die B-Probe der 27-Jährigen bei einem Meeting am 24. April auf der Karibikinsel Martinique bewiesen die Einnahme des verbotenen Stimulanzmittels Nikethamid.

Torri Edwards soll am kommenden Montag von der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) angehört werden. Der Sprinterin droht nun das Aus für die Olympischen Spiele in Athen: Die mögliche Strafe bei diesem Vergehen liegt zwischen einer öffentlichen Verwarnung und einer Zwei-Jahres-Sperre.

Edwards hatte bei der WM im vergangenen August in Paris über 100 Meter den zweiten und über 200 Meter den dritten Platz belegt. Auf beiden Strecken hatte ihre Teamkollegin Kelli White triumphiert. In deren Urin wurde jedoch bei einem Dopingtest Modafinil gefunden. Die Freundin des deutschen Speerwerfers Boris Henry räumte später ein, dass sie die verbotene Substanz zur Leistungssteigerung genommen habe, und wurde für zwei Jahre gesperrt. Edwards bekam nachträglich Gold und Silber zugesprochen.

Bei den amerikanischen Olympia-Ausscheidungen hatte sich Edwards durch Platz zwei über 100 m hinter LaTasha Colander für Athen qualifiziert. Auf Fragen zum Thema Doping reagierte sie nach dem Rennen gereizt: „Denkt euch mal was Neues aus.“

Während der Fall Edwards möglicherweise bereits in der nächsten Woche entschieden wird, steht im Fall Tim Montgomery noch kein Termin für eine Verhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne fest. Der Gerichtshof soll darüber befinden, ob der 100-m-Weltrekordler lebenslang gesperrt wird. Die USADA hatte den Sprinter im Juni wegen Dopings angeklagt. Medienberichten zufolge hatte Montgomery in Anhörungen zugegeben, Wachstumshormone von der Firma Balco erhalten zu haben.

Sollte Montgomery gesperrt werden, wäre es das erste Mal, dass in den USA ein Sportler nicht auf Grund eines positiven Tests, sondern von Zeugenaussagen und schriftlichen Beweismaterials gesperrt würde.

Neben dem 29-Jährigen drohen auch 200-m-Hallen-Weltmeisterin Michelle Collins, Alvin Harrison, dem Silbermedaillengewinner von Sydney über 400 m, und der zweimaligen Olympia-Medaillengewinnerin mit der Staffel, Chryste Gaines, lebenslange Sperren. Tsp/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben