Sport : In der Fremde Pfiffe seltener für Pfeifenmänner

DIETMAR WENCK

Warum Alba-Trainer Svetislav Pesic in der Bundesliga mehr Nerven als in der Europaliga läßtVON DIETMAR WENCK BERLIN.Schiedsrichter stehen im Sport oft in der Kritik - meistens derjeniger, die verloren haben.Im zweiten Halbfinale um die Deutsche Basketball-Meisterschaft zwischen dem TVG Trier und Alba Berlin am vergangenen Sonnabend hingegen herrschte Einigkeit: Michael Trumpke aus Leverkusen und Markus Hesse aus Hamburg hatten die Partie nicht im Griff.Das sahen sie selbst so.Beide sind erfahren genug, haben schon in der Europaliga Spiele geleitet.Hesse erklärte den schwachen Tag in Trier so: "Wir waren mental nicht fit, und wir haben versäumt, dafür zu sorgen, daß unsere Akzeptanz gewährleistet war." So verkam ein Basketballspiel zur aggressiven Talkshow.Woran nicht nur die Referees beteiligt waren. Albas Trainer Svetislav Pesic ärgerte sich: "In der Bundesliga verliere ich wegen der Schiedsrichter doppelt soviel Nerven wie in der Europaliga." In Trier war keine Linie bei der Auslegung der Regeln zu spüren.Normalerweise dienen die ersten Minuten einer Partie Spielern und Trainern dazu, diese Linie zu erkennen und sich darauf einzustellen - wird heute eher streng oder großzügig verfahren? Wird heute Reklamieren gestattet? "Meckern und Protestieren gehören dazu", findet Peter Klingbiel, einer der renommiertesten Schiedsrichter im DBB.Natürlich könne man über Entscheidungen reden.Der Berliner stellt aber klar: "Wird die Kritik persönlich, gebe ich sofort ein Technisches Foul, egal, ob in der ersten oder letzten Minute." Ein Technisches Foul zieht zwei Freiwürfe und Ballbesitz für den Gegner nach sich.Pesic kassierte ein solches in Trier, allerdings erst, als alles außer Rand und Band geraten war."Wir haben verpaßt, rechtzeitig für Ruhe zu sorgen", so Hesse. Warum Erscheinungen wie am Sonnabend in der Europaliga eher selten sind, erklärt Klingbiel so: "Die Spieler in der Europaliga sind insgesamt besser, bessere Technik, bessere Einstellung, besseres Verhalten." Das gleiche gelte für Trainer und Schiedsrichter.Dazu komme, daß man sich international nicht so oft über den Weg läuft: "Hier in der Bundesliga kennt man manche Leute seit 20 Jahren, das macht die Sache nicht einfacher." In der Fremde ist der Respekt größer.Klaus Preller, Vorsitzender der Schiedsrichterkommission im Deutschen Basketball Bund (DBB), hält auch den Zustand, daß die Vereine nach jedem Spiel eine Beurteilung über die Schiedsrichter abgeben, für falsch. Am Ende der Saison entsteht eine Rangliste; von 25 Bundesliga-Referees steigen vier ab, dürfen zukünftig nicht mehr erstklassig pfeifen.Die Besten der Rangliste werden dem Weltverband FIBA für internationale Einsätze genannt.Vor kurzem wurde im DBB eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, in der zwei Trainer, zwei Schiedsrichter und zwei Vereins-Manager nach Wegen suchen, diese und andere Regelungen zu verbessern.Man hat sich vorgenommen, sich zwei- bis dreimal im Jahr zu treffen und sich über Regel-Interpretationen zu verständigen."Ein Rätsel ist für mich", sagt Klaus Preller, "daß wir jedesmal darüber sprechen, daß sich 50 Prozent der Mannschaftsbanken nicht regelkonform verhalten.Aber dann fehlt es den Schiedsrichtern oft an Mut, mit Technischen Fouls frühzeitig eine Eskalation zu verhindern." Ein Geschäft ist mit dem Pfeifen nicht zu machen: 250 DM erhält ein Schiedsrichter im DBB für ein normales Bundesligaspiel, 300 DM für Play-off-Spiele.In der Woche kommen 330 DM hinzu, weil ja ein Urlaubstag genommen werden muß.In der Europaliga sind es immerhin 1000 DM; für andere internationale Einsätze 500.Zum Vergleich: Im Fußball werden für Bundesliga-Partien inzwischen 4000 DM gezahlt.Peter Klingbiel sagt: "Jeder gibt sein Bestes, aber ich weiß, daß ich kein Spiel ohne Fehler pfeifen kann." Die Fähigkeit zur Selbstkritik, so scheint es, ist bei Schiedsrichtern erheblich größer als bei vielen anderen Teilnehmern eines Basketballspiels.

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