Sport : In der Hitze des Spiels

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Von Christoph Daum

Da waren es nur noch acht, und Deutschland ist dabei. Viele trauen uns jetzt sogar das Erreichen des Finales zu, wir selbst glauben mittlerweile ja auch daran. Noch zwei Tore in zweimal 90 Minuten könnten reichen, selbst ohne glanzvollen Aufritt. Die USA, jetzt schon weiter als erwartet, sind auf diesem Weg ein dankbarer Gegner. Sie verfügen weder über eine sattelfeste Abwehr, noch über ein gefährliches Angriffsspiel. Ihr Spielstil ist berechenbar, und selbst die gute Moral des Teams wird nicht reichen.

Die größte Stärke der Amerikaner ist ihr überfallartiges Konterspiel. Wenn wir ihnen Platz lassen, werden sie diesen eiskalt nutzen. Stehen wir hingegen so eng, dass ein Spieler den anderen unterstützen kann, können wir das Spiel kontrollieren. Die Lehre aus dem Irland-Spiel war, dass die deutschen Spieler früher in die Zweikämpfe gehen müssen, um das Spiel weiter vom eigenen Tor entfernt zu halten. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Hoheit im Mittelfeld. Hier den Ball zu erobern und laufen zu lassen, ist eine Stärke der deutschen Mannschaft. Das Ziel dabei ist es, sich ständig so zu verschieben und anzubieten, dass der Gegner das Gefühl hat, mit einem Mann weniger zu spielen. Aber entscheidend werden die bessere Abwehrleistung und der bessere Torhüter sein. Auch da ist Deutschland mit Oliver Kahn, dem besten Keeper der Welt, klar im Vorteil.

Eher unerheblich ist, ob eine Mannschaft wie Brasilien mit Dreierkette spielt, eine wie England mit Viererkette - oder eine wie Deutschland je nach Spielsituation zwischen beiden Varianten wechselt. Taktisch kluge und in diesen Systemen geschulte Spieler beherrschen beide Abwehrformationen. Es kommt dann darauf an, wie ein Spieler seine Aufgaben interpretiert: ob er mitdenkt, die Initiative ergreift, das Spiel richtig „liest", die Züge des Gegners vorausahnt, das Tempo anziehen oder, bei dieser WM ganz besonders wichtig, wieder herausnehmen kann. Das Klima in Japan und Südkorea mit Hitze und großer Luftfeuchtigkeit lässt ein hohes Tempo über 90 oder gar 120 Minuten nicht zu. Jenen Teams, die bisher begeisternd stürmisch auftraten, die sich verausgabten, an die Leistungsgrenze gingen und die letzten Kraftreserven mobilisierten, wird langsam die Luft ausgehen. Auch darauf hat ein guter Trainer zu achten.

Wie kann ein Teamchef seine Mannschaft noch auf die kommenden Spiele einstellen? Zum Beispiel so: Die Spieler um gute Argumente bitten, warum gerade sie Weltmeister werden können - und sie dann erklären lassen, was bis dahin zu tun ist. Das gilt es, zu moderieren. Rudi Völler beherrscht das.

Der Fußballlehrer Christoph Daum analysiert an dieser Stelle täglich die WM.

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