Sport : In der Kathedrale des Fußballs

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Große Fußballoper. Als sei im Gran Teatre del Liceu, dem Konzertpalast der katalanischen Hauptstadt, ein grandioses Werk inszeniert worden, hat der FC Barcelona am Montagabend über Real Madrid triumphiert. Mit Genie, mit Eleganz, mit Stolz und mit Wut. Der 241. „Clásico“ war schon vor dem Abpfiff ein Stück Geschichte, über den Sport hinaus.

Barcelona und Barça, die Metropole und der Klub, setzen sich mit dem Sieg über Real weiter von Spanien ab, der ungeliebten und trotz der schon lange überwundenen Franco-Zeit immer noch als kolonialarrogant empfundenen Zentralmacht. Der Sieg dürfte die zahlreichen Fans einer Unabhängigkeit Kataloniens beflügeln, auch wenn der Held des Abends, der zweifache Torschütze David Villa, aus Asturien stammt und der ewige Barça-Held Messi aus Argentinien. Aber der Klub passt kongenial zu dieser Stadt, man könnte auch sagen: Sie hat den Verein, den sie verdient.

Das wäre in Berlin ein deprimierender Befund, in Barcelona, dem Berlin am Meer und mehr, ist es identitätsstiftendes Pathos. Zu Recht. Barça spielt, wie Gaudí gebaut hat. Der Verein zelebriert Fußball als Kunstform, als einen Ausdruck ästhetischer Moderne, inspiriert durch ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit, im Klub, in der Stadt, in der Region. Gaudí hat mit seinem Architekturstil des Modernisme Català das Ansehen Barcelonas veredelt und das Selbstbewusstsein der Bewohner gestärkt, sich mehr als andere Metropolen über unnachahmliche Ästhetik definieren zu können. In dieser Tradition spielt und begreift sich Barça. Das Motto des Vereins trifft es: „Més que un club“.

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