Sport : In der kleinen NBA

Nie war die Europaliga für Alba Berlin so wichtig wie heute

Benedikt Voigt

Lyon. Stefano Garris steht an der Bushaltestelle am Jakob-Kaiser-Platz und probiert einen neuen Trick aus. Um sich die Parkgebühr am Flughafen Tegel zu ersparen, hat der Flügelspieler von Alba Berlin sein Auto in der Nähe abgestellt, nun will der Basketballprofi die letzten Meter zum Flughafen mit dem Bus überwinden. Eigentlich kein schlechter Plan – wenn es nicht fünf Minuten vor acht Uhr wäre. Um acht Uhr trifft sich Alba Berlin am Schalter Nummer sieben vor dem Abflug zum Europaligaspiel in Lyon. Garris wird nervös. Abwechselnd blickt er auf den Fahrplan und sein Handy, das die Uhrzeit anzeigt. Als er bereits ein Taxi heranwinken will, naht doch noch der rettende Bus. Trotzdem kommt er zu spät. Als ihn Betreuer Eicke Marx rüffelt, antwortet Garris: „Ich war schon länger am Flughafen.“ Und irgendwie stimmte das auch: Es kommt nur darauf an, wie man das Flughafengelände definiert.

Aus dem kleinen Erlebnis vom Dienstagmorgen kann Alba Berlin vielleicht zweierlei lernen. Erstens: Stefano Garris wird sich künftig zweimal überlegen, ob er sich das Geld für die Parkgebühr ersparen will. Zweitens: Auch erfahrene Spieler machen Fehler. So gesehen dürfte es kein großer Nachteil sein, wenn Alba Berlin heute in das Europaligaspiel beim französischen Vizemeister Asvel Villeurbanne (20.40 Uhr) mit drei Spielern geht, die noch nie in der besten Liga Europas gespielt haben. „Wir sind vielleicht unerfahren“, sagt Vladimir Petrovic, einer der drei Neulinge. „Aber wir sind auch hungrig.“ Für ihn, wie für den Centerspieler Szymon Szewczyk und John Best, bildete die Aussicht auf mindestens 14 Spiele in der Europaliga einen bedeutsamen Grund, bei Alba zu unterschreiben. „Die Europaliga ist die kleine NBA“, sagt Best, der vor drei Jahren in der konkurrierenden Suproleague spielte.

Die Europaliga spielt für Alba Berlin in dieser Saison eine noch wichtigere Rolle als sonst. „Wir wollen besser abschneiden als in den letzten beiden Jahren“, sagt Trainer Emir Mutapcic. In der vergangenen Saison gelangen den Berlinern lediglich vier Siege aus 14 Spielen. In dieser aber will Alba erstmals auch in der jungen Euroleague in die Runde der letzten 16 Teams einziehen. Zuletzt war das den Berlinern 2000/2001 gelungen, als sie noch in der Suproleage des europäischen Verbandes Fiba spielten.

„Wenn wir weiterkommen wollen, brauchen wir auch Glück“, erklärt Mutapcic. Was das betrifft, sieht es im Moment eigentlich ganz gut aus. Immerhin kann er in Villeurbanne auf den kompletten Kader zurückgreifen, lediglich Aufbauspieler Heiko Schaffartzik blieb wegen Rückenschmerzen in Berlin. Im letzten Jahr hatte Alba in der Europaliga immer mit Verletzungspech zu kämpfen

Zudem weckt die Darbietung in Köln (80:70) Hoffnungen bei den Berlinern. „Wir haben da unser bisher bestes Spiel in der Verteidigung gemacht“, sagt John Best, „das gibt Selbstvertrauen.“ Der Aufwärtstrend bei Alba kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt. „Das Spiel am Mittwoch ist sehr wichtig“, sagt Mutapcic, „Villeurbanne, Wroclaw, Olympiakos und wir werden den fünften Platz ausspielen.“ Valencia, Vitoria, Treviso und Efes Istanbul werden nach seiner Rechnung die ersten vier Plätze unter sich ausmachen. Ein Sieg gegen einen direkten Konkurrenten um Platz fünf wäre wichtig, zumal Alba in der kommenden Woche im Heimspiel gegen Wroclaw spielt. Doch der französische Vizemeister um den nur 1,61 Meter großen Aufbauspieler Shawnta Rogers ist nicht zu unterschätzen. In der vergangenen Saison erreichte Villeurbanne immerhin die Runde der letzten 16. Im Gegensatz zu Alba. Petrovic, Best und Szewczyk wollen heute in Lyon helfen, dass sich das ändert.

Stefano Garris sagt: „Ich bin froh, dass es losgeht.“ Im nächsten Moment biegt der X9 um die Ecke, der ihn zum Flughafen bringen soll. Den Bus aber hat er nicht gemeint.

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