Sport : In der Lücke

Eishockey-Nationalspieler Stefan Ustorf muss den Deutschland-Cup unverletzt überstehen: Nach seinem Rauswurf in Mannheim sucht er noch einen neuen Klub

Claus Vetter

Hannover . Stefan Ustorf lächelte, und das sah bedrohlich aus. „Ein paar Zähne fehlen“, sagte der Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft. „Das muss nicht unbedingt sein, aber es gibt Schlimmeres.“ Zumal der 29-Jährige auch ein wenig übertrieben hatte.

Lediglich eine kleine Lücke war in seinem Unterkiefer zu erkennen. Ustorf wusste, dass die Situation, die ihm am Freitagabend auf dem Eis in der Preussag-Arena einen abgebrochenen Zahn bescherte, bedrohlicher hätte werden können. In der 35. Minute hatte sein US-amerikanischer Gegenspieler Jeff Panzer ihn beim Deutschland-Cup in Hannover mit seinem Schläger im Gesicht getroffen. Ustorf fiel aufs Eis, blieb liegen und stand erst nach einigen Minuten wieder auf.

Hatte das deutsche Team am Ende Pech und verlor trotz spielerischer Überlegenheit 1:2 nach Penaltyschießen, so hatte der Kapitän Glück gehabt. Bei einer schlimmeren Verletzung hätte es um seine nahe Zukunft nicht so gut ausgesehen. Seit zehn Tagen ist der Stürmer ohne Klub, weil ihn die Mannheimer Adler suspendierten. Über die Gründe schweigen sich beide Seiten immer noch aus. Ustorf grantelt inzwischen ein wenig, wenn er auf das Thema Mannheim angesprochen wird. „Wenn ich mich hier bei der Nationalmannschaft verletze, ist das eine Versicherungssache und natürlich auch eine Angelegenheit der Adler“, sagt er. „Denn Mannheim hat mich für den Deutschland-Cup abgestellt.“ Trotzdem hofft Ustorf, „dass das Kapitel Mannheim möglichst schnell erledigt ist“. Noch hat sein Agent sich mit seinem ehemaligen Arbeitgeber nicht geeinigt. „Die Situation entwickelt sich von Tag zu Tag neu, das ist nicht sehr erfreulich.“ Schließlich will Ustorf auch nach dem Deutschland-Cup Eishockey spielen. Dass dann die Eisbären sein neuer Arbeitgeber sein könnten, ist nicht unwahrscheinlich. Die Berliner haben Ustorf – im Gegensatz zu den Hamburg Freezers und den Kölner Haien, die auch um ihn buhlen – einen lang dotierten Vertrag angeboten. Und einen solchen will der ehemalige Mannheimer Mannschaftskapitän auch.

Beim Wort Berlin muss Ustorf grinsen. „Eine schöne Stadt, doch momentan konzentriere ich mich nur auf die Nationalmannschaft“, sagt er. „Da will ich eine gute Leistung bringen.“ Das klappte bei ihm am Freitagabend nicht so recht. Gegen die USA blieb Ustorf erstaunlich schwach. Hans Zach übersah es nicht. Für das zweite Turnierspiel gestern gegen die Schweizer wurde Ustorf vom Bundestrainer in die vierte Sturmreihe beordert. Gegen die USA hatte der Kapitän noch in der Startformation gestanden.

An der Degradierung ihres Kapitäns lag es allerdings nicht, dass die Deutschen am Sonnabend in der Preussag-Arena gegen die Schweiz 4:1 (0:0, 2:0, 2:1) gewannen. In einem guten Spiel erzielten Serikow und Kopitz jeweils zwei Tore für die Deutschen, die somit noch alle Chancen haben, das Turnier in Hannover zu gewinnen. Im letzten Spiel müssen sie heute gegen Weltmeister Kanada antreten (14.30 Uhr, live im DSF).

0 Kommentare

Neuester Kommentar