Sport : In der Luft zurück

Michael Uhrmann gewinnt das Weltcupspringen von Oberstdorf

Benedikt Voigt

Berlin - Es ist schwer, einem Skispringer während des Fluges ins Gesicht zu blicken. Der Sprung dauert nur wenige Sekunden und zudem tragen die meisten eine Skibrille oder eine Maske vor dem Gesicht. Hätte man trotzdem Michael Uhrmann am Sonntagnachmittag ins Gesicht blicken können, hätte man etwas Seltsames gesehen: Ein Grinsen.

„Als ich bei 100 Metern in der Luft war, musste ich schon grinsen, weil ich wusste, dass es sehr weit geht“, sagte der deutsche Skispringer. Sein Gefühl trog nicht, er segelte bis auf 140,5 Meter und schockte die Konkurrenz. Weil sein Vorsprung auch nach dem zweiten Sprung auf 129 Meter noch ausreichte, durften anschließend in der Arena die meisten der 11 500 Fans jubeln. Zum ersten Mal seit drei Jahren hat wieder ein deutscher Skispringer ein Weltcupspringen gewonnen. Schon am Samstag hatte der 28 Jahre alte Uhrmann Platz drei belegt. „Das war ein perfektes Wochenende“, sagte er, „das war die Belohnung und die Entschädigung für das, was wir in den letzten Wochen mitgemacht haben.“

Nach dem mäßigen Abschneiden der deutschen Springer bei der Vierschanzentournee war das Team um Bundestrainer Peter Rohwein in die Kritik geraten. Letzterer dürfte froh sein, dass er seit Sonntagnachmittag eine Negativstatistik endlich los geworden ist: Es war der erste Weltcupsieg in seiner Verantwortung. „Das war ein ganz wichtiges Ergebnis und gibt dem Team kurz vor der WM Auftrieb“, sagte Thomas Pfüller, Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV), „ich freue mich für ganz besonders für Michael Uhrmann und Peter Rohwein, denn jetzt dürfte die Kritik endgültig verstummen.“

Nun wirkt auch wieder das Ziel seines Verbandes für die Nordische Ski-Weltmeisterschaft in Sapporo realistischer. Eine Medaille will der Verband dort machen, vorzugsweise wird auf eine Mannschaftsmedaille spekuliert, doch das Wochenende hat gezeigt, dass Michael Uhrmann auch Chancen auf eine Einzelmedaille haben könnte.

Für Uhrmanns Manager Gerd Siegmund kommt der jüngste Erfolg nicht überraschend. „Er hatte schon vorher gute Einzelsprünge“, sagt der ehemalige Skispringer. So gewann Uhrmann die Qualifikation bei der Vierschanzentournee in Innsbruck. „Aber in den Weltcupspringen hatte er noch kein Glück gehabt“, sagte Siegmund. Das hatte er nun auf der Schanze am Schattenberg, die wegen des schlechten Wetters anstelle der Oberstdorfer Skiflugschanze eingesprungen ist.

Bereits im Sommer hatte Uhrmann seine Technik umgestellt, doch nach den Erfolgen der Newcomer Gregor Schlierenzauer und des Vierschanzentourneesiegers Anders Jacobsen hat Michael Uhrmann zuletzt den Übergang nach dem Absprung verbessert. „Sie sind das technischische Leitbild“, beschreibt Siegmund, „aber das ist auch den anderen Springern so gegangen.“ Inzwischen hat sich Uhrmann an die neue Technik gut gewöhnt. „Er geht jetzt mehr Risiko“, sagt Siegmund.

Dass zu viel Risiko die Skispringer auch in Lebensgefahr bringen kann, hat die Weltelite am vergangenen Wochenende in Zakopane erleben müssen. Dort ist Jan Mazoch schwer gestürzt. Inzwischen ist der Tscheche im Krankenaus aus dem künstlichen Koma wieder zurückgeholt worden. „Er hat seine Eltern erkannt“, sagt Siegmund, der für „Eurosport“ als Kommentator arbeitet, „er wird keine bleibenden geistigen Schäden haben.“ Michael Uhrmann habe von dem Sturz erst im Hotel erfahren und sei sehr betroffen gewesen, berichtet Siegmund, „aber Skispringer sind Verdrängungskünstler.“ Michael Uhrmann gelingt das offenbar besonders gut. (mit dpa)

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