Sport : In der Luft

Basketball-Nachwuchsspieler Guido Grünheid sucht bei Alba Berlin nach einer tragenden Rolle

Benedikt Voigt

Berlin – Am rechten Handgelenk trägt Guido Grünheid einen Glücksbringer. Es ist ein braunes Holzperlenkettchen mit einem fernöstlichen Schriftzeichen. „Das habe ich mir in Südkorea nach meiner Verletzung gekauft“, erzählt der Basketballprofi von Alba Berlin. Bei der Universiade in Daegu im Sommer 2003 hatte er sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. „Trotzdem bin ich noch einmal in die Stadt gehumpelt, um Mitbringsel zu besorgen.“ An einem Souvenirstand hing diese Kette. „Die Dolmetscherin erzählte, dass man sich etwas wünschen darf.“ Grünheid wünschte sich Gesundheit. Vielleicht hätte er Einsatzzeit sagen sollen.

Guido Grünheid ist unzufrieden mit seiner Rolle bei Alba Berlin. Bislang kommt der 22-Jährige in der Bundesliga durchschnittlich fünf Minuten und 40 Sekunden zum Einsatz und erzielte durchschnittlich 2,2 Punkte. Auch heute im Uleb-Cup-Spiel gegen Gravelines Dünkirchen (19.30 Uhr, live auf TV Berlin) dürfte sich an seiner Nebenrolle nicht viel ändern. Trainer Emir Mutapcic spielt seit einiger Zeit vor allem mit acht Spielern, Guido Grünheid, Matyas Mazeikas und Justin Brown zählen nicht dazu.

„Es ist ein bisschen komisch“, sagt Grünheid, „mir wird eine Zukunft im Verein zugesagt, aber im Moment frage ich mich, wann die sein soll.“ Es gehe ihm nicht darum, sogleich nach seiner schweren Verletzung, die ihn fast ein Jahr kostete, eine Rolle als Leistungsträger zu fordern. „Es ist ja nicht so, dass ich alle im Training in Grund und Boden spiele.“ Irgendwann aber müsse man anfangen, ihn zu fördern, wenn man wolle, dass er in Zukunft Leistungsträger sein soll, sagt Grünheid. Auch wunderte ihn, dass ihm vor der Saison die Rolle als Ersatz für den Flügelspieler Matej Mamic zugesagt worden war. Dann aber kam der 2,08 Meter große Basketballer vor allem als Power Forward zum Einsatz. „Es ist nicht das eingetroffen, was ich vor der Saison erwartet habe“, sagt Grünheid.

Vor dem Spiel in Leverkusen (83:72) suchte er deshalb das Gespräch mit Trainer Emir Mutapcic. Sein Resümee: „Ich muss mir nach der Verletzung das Vertrauen des Trainers wieder erarbeiten.“ Nach dem Spiel gegen Leverkusen war er bereits zufriedener, weil er in der ersten Halbzeit Verantwortung übernehmen durfte. Und eben nicht erst dann kam, als das Spiel bereits entschieden war.

Mutapcic kann die Unzufriedenheit seines Nachwuchsspielers verstehen. „Aber er muss Geduld haben“, sagt der Trainer, „wer ein Jahr verletzt ist, braucht auch ein Jahr, um wieder zurückzukommen.“ Grünheid sei wichtig für die Zukunft der Nationalmannschaft. Andererseits steht der Trainer unter Druck, der Verein fordert die Rückkehr in die Europaliga. „Wenn ich ein Spiel verliere, fragt mich niemand, warum Guido Grünheid so wenig spielt“, sagt Mutapcic. Zuletzt siegte Alba viermal in Folge, weshalb es auch wenig Anlass gibt, etwas zu ändern.

Mutapcic muss seit Jahren auf dem schmalen Grad zwischen Erfolgsdruck und Ausbildung balancieren. Der letzte Nachwuchsspieler, der es bei Alba schaffte, ist Stefano Garris. Sven Schultze, Stipo Papic, Robert Maras, Heiko Schaffartzik, Raed Mostafa mussten oder wollten wechseln. Grünheid ist der Letzte aus der Kooperation mit dem TuS Lichterfelde. Wird er sich nach dieser Saison auch einen neuen Verein suchen müssen? Er sagt: „Ich hoffe nicht.“

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