Sport : In der Nebenrolle

Eisbären erleben beim 0:5 in Ingolstadt ein Debakel

Robert Senner[Ingolstadt]

Der Sonntagabend in der Ingolstädter Arena hatte einen Hauptdarsteller und der hieß Marco Sturm. Als der derzeit beste deutsche Eishockey-Profi die Spielfläche in der kleinen Halle betrat, wollten sich 4000 Fans des ERC Ingolstadt kaum beruhigen. Die Ankündigung des Namens von Sturm wurde von tosendem Applaus übertönt. Die Euphorie war verständlich, bekam der Fan in der Deutschen Eishockey- Liga (DEL) doch bisher selten einen aktuellen Star aus der NHL zu sehen, obwohl das angesichts der Spielpause in der nordamerikanischen Profiliga zum Alltag werden könnte. Gestern feierte mit Andy McDonald ein zweiter Stürmer aus der NHL sein Debüt für Ingolstadt – gegen einen Gast, der sich mit Verpflichtungen aus Amerika noch zurückhält: Die Berliner Eisbären, die in ein Debakel schlitterten und 0:5 (0:1, 0:1, 0:3) verloren.

Es passte irgendwie alles an diesem Abend für den 26-jährigen Sturm, der die vergangenen sieben Jahre bei den San Jose Sharks in der NHL gestürmt hat: Sturm kam und traf und das zum Leidwesen der an sich im ersten Drittel sehr engagierten Berliner schon nach 16 Minuten. Als die Eisbären-Stürmer Florian Busch und Sven Felski auf der Strafbank saßen, fälschte Sturm einen Schuss von McDonald ab; es stand 1:0 für Ingolstadt. Das Tor beruhigte offensichtlich die Nerven der anfangs doch nervös agierenden Bayern: Im zweiten Drittel spielten vor allem Sturm und McDonald nach Belieben auf, die Eisbären wirkten überfordert. Bitter war für die Berliner allerdings, dass sie das zweite Gegentor ausgerechnet kassierten, als sie in Überzahl waren. Martin Jiranek traf zum 2:0 für Ingolstadt. Damit hatten die Bayern allerdings noch nicht genug, anfangs des letzten Abschnitts stellte Jakub Ficenec mit dem dritten Tor für Ingolstadt früh klar, dass die Eisbären im zweiten Saisonspiel nur eine Nebenrolle spielen sollten. Das Debakel für die Berliner nahm so langsam seinen Lauf. Zunächst überwand Markus Schröder Eisbären-Torhüter Oliver Jonas, bevor dann Sturm die Berliner sehenswert austrickste und sein zweites Tor des Tages schoss.

Die Schlusssirene erlöste die völlig überforderten Berliner von ihrem Leiden: Mit solch einer deutlichen Niederlage hatte bei den Eisbären nach dem 3:2 am ersten Spieltag gegen Meister Frankfurt keiner gerechnet. Eines wurde gestern offensichtlich: Die Berliner brauchen noch Verstärkung, Manager Peter John Lee sollte sich mit der angedachten Verstärkung – seit Wochen ist der kanadische Nationalspieler Dany Heatley vom NHL-Klub Atlanta Thrashers in Berlin im Gespräch – wohl nicht mehr allzu viel Zeit lassen. So sieht es auch Pierre Pagé. Der Trainer der Eisbären war gestern sichtlich verärgert. „Wir haben gewusst, wie stark die Ingolstädter mit Sturm und McDonald sind“, sagte Pierre Pagé. „Warum wir dann so halbherzig in die Zweikämpfe gegangen sind, ist mir wirklich ein Rätsel.“

Einer, der gestern mit vollem Einsatz in die Zweikämpfe gegangen war, hatte es derweil gar nicht so eilig, die Arena zu verlassen. Noch eine Stunde nach dem Spiel plauderte Marco Sturm gut gelaunt über das Spiel. „Es ist schon lange her, dass ich nach dem ersten Saisonspiel von den Fans nach dem Spiel wieder auf das Eis gerufen wurde“, sagte er. Und dann zeigte der gebürtige Bayer, dass er in Sachen Höflichkeit in den USA dazugelernt hat: „Für uns war der Sieg besonders wertvoll. Schließlich haben wir drei Punkte gegen eine der besten Mannschaften Deutschlands geholt.“ Und Sturm meinte damit tatsächlich die Eisbären.

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