Sport : In der Rolle des Weltmeisters

Alonso gilt als Nachfolger von Michael Schumacher bei Renault

Karin Sturm

Magny-Cours. Zu Beginn der 90er Jahre war es Flavio Briatore, der aus Benetton ein Spitzenteam in der Formel 1 formte. An seiner Seite stieg der damals junge Michael Schumacher zum zweimaligen Weltmeister auf. Fortan galt Briatore nicht nur als Playboy und Lebemann in der Formel 1, sondern auch als ein Erfolgsmensch. Nachdem Schumacher jedoch Ende 1995 zu Ferrari gewechselt war, konnte Benetton nicht mehr an die Erfolge anknüpfen. Das Team versank im Mittelmaß. Die Krise der erfolglosen Jahre war für Briatore nur schwer zu verkraften.

Es sieht in dieser Saison ganz danach aus, dass der Italiener wieder richtig durchstarten kann. Vor dem Heim-Grand-Prix am kommenden Sonntag in Magny-Cours steht er mit Renault auch deswegen im Mittelpunkt. Mit dem Renault-Team, das aus Benetton hervorgegangen war, als das französische Werk 2002 alles übernommen hatte, glaubt er, den erfolgreichen Weg von einst erneut beschreiten zu können. Es ist kein Hirngespinst von Briatore, denn Renault gilt tatsächlich als das Überraschungsteam dieser Saison. Und Fernando Alonso, hochtalentierte Spanier, spielt darin die Rolle, die einst Michael Schumacher innehatte.

Im gleichen Film

„Alonso hat mich von Anfang an sehr beeindruckt, seine Ruhe, die Abgeklärtheit, die er bereits mit 19 Jahren hatte", sagt Briatore, der ja nicht nur Chef des Spaniers ist, sondern ihn auch als Manager betreut. „Alonso neben mir im Vergleich zu Michael Schumacher damals – das ist, als ob ich den gleichen Film zum zweiten Mal sehe. Da kommen viele Erinnerungen wieder, an Details von damals mit Michael Schumacher. Alonso ist auf jeden Fall ein kommender Weltmeister."

An diesem Wochenende in Frankreich will Alonso, der in der WM punktgleich mit dem Kolumbianer Juan Pablo Montoya (BMW-Williams) Fünfter ist, noch einmal auftrumpfen. „Bei meinem persönlichen Heimrennen in Barcelona war ich Zweiter. Es wäre super, das jetzt beim Heimrennen für Renault zu wiederholen“, sagt er. Damit es in Magny-Cours optimal läuft, soll eine neue Motoren-Entwicklungsstufe noch ein paar PS mehr bringen. Das derzeitige Leistungshandicap liegt angeblich immer noch bei 60 bis 80 PS. Das bezweifeln einige Konkurrenten, „weil Renault dann nicht so mitfahren könnte“, wie auch BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen anmerkte. „Aber das sagen die nur als Entschuldigung, weil sie sonst anerkennen müssten, was wir für ein Superauto haben", widerspricht Alonso.

Die „Streckenputzer“

Tatsache ist, dass Renault vielleicht sogar das beste Chassis besitzt, vor allem im Zusammenspiel mit den Michelin-Reifen. Das Auto fährt deshalb sehr reifenschonend. Das ermöglicht den Fahrern eine noch weichere Reifenmischung zu verwenden als etwa McLaren-Mercedes oder BMW-Williams. Damit kann Renault den PS-Nachteil etwas ausgleichen. In Malaysia und Barcelona brachte das eine Poleposition und Podestplätze ein. Ein erneuter Spitzenplatz von Alonso in Magny-Cours wäre für Briatore eine Genugtuung. Schließlich zweifelten einige Teamchefs bereits seine Kompetenz an, als er entschieden hatte, mit Renault auf Testfahrten zwischen den Rennen zu verzichten und dafür lieber die zwei zusätzlichen Stunden am Freitag des Grand-Prix-Wochenendes in Anspruch zu nehmen. Nach dem neuen Reglement in der Formel 1 mussten sich die Teams für eine der zwei Varianten entscheiden. „Streckenputzer“ hatte McLaren-Chef Ron Dennis die Freitagstester abwertend genannt. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Briatores Entscheidung für Renault richtig war. Die Konkurrenz ist gewarnt.

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