Sport : In der Schuldenfalle

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Armin Lehmann über die gefährliche Krise im italienischen Fußball

Der Spielabbruch von Rom war am Dienstag noch zu präsent, als dass eine andere Meldung aus Italien große Beachtung gefunden hätte. Silvio Berlusconi, Italiens Regierungschef und Präsident des AC Milan, will ein Dekret zur „Rettung des Fußballs“ erlassen. Morgen soll der Ministerrat entscheiden, ob die Profiklubs ihre Schulden beim Finanzamt in Raten über fünf Jahre abzahlen dürfen

Nötig hätten einen solchen Staatseingriff gerade die römischen Klubs AS und Lazio, die sonst kaum die Kriterien der Uefa für eine Lizenzerteilung erfüllen könnten. Insgesamt schulden die Erst- und Zweitligisten dem Staat 510 Millionen Euro. Das Problem ist: Berlusconi hilft nicht zum ersten Mal. Das letzte Dekret, das den Klubs erlaubte, die auf Grund gesunkener Transferwerte der Spieler entstandenen Verluste auf zehn Jahre zu verteilen, wurde von EU-Wettbewerbskommissar Monti überprüft. Bis heute ist der Vorwurf nicht ausgeräumt, dass dadurch andere europäische Vereine benachteiligt werden, weil sie diese Möglichkeiten nicht haben.

Italiens Fußball steckt in der Falle. Jahrelang haben Vereinsfunktionäre grenzenloses Wachstum gepredigt und grenzenlose Gehälter gezahlt. Die Stars kamen, weil viel Geld bezahlt wurde. Die Fans haben sich an diese Stars gewöhnt. Jetzt muss sich der Fußball entscheiden: Entweder man lässt sich vom Staat subventionieren und nimmt in Kauf, dass Politiker wie Berlusconi diese Bühne nutzen und sich als Retter inszenieren. Oder man saniert sich radikal und muss die eigenen Fans enttäuschen. Krawalle wie in Rom werden dann keine Ausnahme bleiben.

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