Sport : In Deutschland fest verwurzelt

Jan Kocian trainiert die Slowakei von Pulheim aus

Stefan Hermanns

Hamburg - Die Stadt Pulheim, unweit von Köln gelegen, hat unter ihren 53 645 Einwohnern auch ein paar Berühmtheiten vorzuweisen. Jürgen Rüttgers zum Beispiel, den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, dazu als eher lokale Größen zwei Mitglieder der kölschen Folkloreband De Höhner. Und auch der große Fußball ist in der Stadt gut vertreten. Erich Ribbeck, der frühere Bundestrainer, ist zwar im vergangenen Jahr aus Pulheim weggezogen, aber es gibt ja noch Jan Kocian, den slowakischen Nationaltrainer. „Och!“, sagt Dirk Springob, der Pressesprecher der Stadt. „Das ist ja eine tolle Information.“ Bisher wusste er nichts davon. Woher auch? Es ist nicht so, dass Horden slowakischer Journalisten in Pulheim einfallen, um die Lebensumstände ihres Nationaltrainers zu erforschen.

Wohnsitzdebatte ist kein slowakisches Wort. Für die Slowaken stellt es kein Problem dar, dass ihr Nationaltrainer im Ausland lebt; die meisten Nationalspieler halten es schließlich genauso. Jan Kocian, 49, ist mit seiner Familie in Deutschland fest verwurzelt. Heute trifft er nicht nur auf das Land, in dem er wohnt, sondern das auch noch in der Stadt, in der er fünf Jahre als Fußballer verbracht hat. „Das ist der Hammer“, sagt Kocian, der 147 Ligaspiele für den FC St. Pauli bestritten hat. Seit Montag ist er mit seiner Mannschaft in Hamburg, seitdem haben sich etliche Bekannte von früher gemeldet, „und nicht nur, weil sie Karten wollen“.

Vor einem halben Jahr, nach der 1:4-Niederlage gegen Deutschland, hat Kocian die Nationalmannschaft von Dusan Galis übernommen. Seitdem hat sich einiges gewandelt. „Wir werden eine andere Mannschaft sehen“, sagt Bundestrainer Joachim Löw. Kocian hat den Kader deutlich verjüngt. Weil die EM-Qualifikation kaum noch zu schaffen ist, denkt der neue Nationaltrainer schon an die WM 2010. Gegen Deutschland wird heute die jüngste slowakische Mannschaft aller Zeiten auflaufen. „Die jungen Spieler haben die Chance, sich als Alternative anzubieten“, sagt Kocian.

Löw hat die Slowaken „zuletzt sehr ambitioniert“ erlebt. Der neue Trainer lässt die Mannschaft etwas offensiver spielen. Von fünf Spielen hat sie drei gewonnen, nur eines ging verloren. „Wir wollen auch agieren, nicht nur reagieren“, sagt Kocian. Trotzdem erwartet Löw heute einen extrem defensiven Gegner. Jan Kocian sagt: „Das lasse ich jetzt mal so stehen.“ Stefan Hermanns

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