Sport : In die Spitze gekickt

Robert Lewandowski wird für den BVB wichtiger

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Nach oben. Robert Lewandowski schießt Dortmund ins Glück. Foto: AFP
Nach oben. Robert Lewandowski schießt Dortmund ins Glück. Foto: AFPFoto: AFP

Hans-Joachim Watzke erinnert sich noch lebhaft an die zähen Gespräche, die es zu führen galt, um Robert Lewandowski von Lech Posen loszueisen. Es sei der „schwierigste Transfer“ gewesen, „den wir je auf die Beine gestellt haben“, berichtet der Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Immer wieder reiste die deutsche Delegation nach Polen, um einen Stürmer zu bekommen, über den wahre Wunderdinge berichtet wurden. Mit 21 Jahren war Lewandowski gerade Meister seines Landes geworden, Torschützenkönig, Spieler des Jahres und Hoffnungsträger seiner Nationalmannschaft. „Dieser Bursche“, verkündete Posens Trainer Jacek Zielinski, „ist für uns so wichtig wie Wayne Rooney für Manchester United.“ Und sein Dortmunder Kollege Jürgen Klopp sprach vom „spannendsten polnischen Spieler der letzten zehn Jahre“.

Das war im Sommer 2010. Nun, eineinhalb Jahre später, scheinen sich die Lobeshymnen zu bewahrheiten. In Abwesenheit des verletzten Dortmunder Sturmführers Lucas Barrios hat sich dessen Stellvertreter zum effektivsten Offensivmann der Bundesliga aufgeschwungen. Sieben Treffer und vier Torvorlagen sprechen für Lewandowski nach zehn Spieltagen.

Robert Lewandowski ist angekommen in der Bundesliga. „Im zweiten Jahr habe ich mich eingelebt, es läuft jetzt wesentlich besser“, sagt er. Das stimmt, wo immer der Stürmer derzeit auftritt, hinterlässt er einen starken Eindruck. Beim frustrierenden Champions-League-Auftritt des BVB in Piräus gelang ihm das einzige Erfolgserlebnis, beim 2:2 im Länderspiel gegen Deutschland traf Lewandowski für Polen.

Nichts als lobende Worte bekommt der Mann zu hören, für den sein Arbeitgeber 4,5 Millionen Euro Transferkosten überwies. Das war nicht immer so. Während seiner Premierensaison sah sich Lewandowski Kritik ausgesetzt. Sein Spiel wirke lethargisch, war zu lesen, er vertändele zu viele Bälle, vor allem aber sei er im Abschluss viel zu zauderhaft. Lewandowski der Chancentod – dieses Bild begann sich in der öffentlichen Wahrnehmung festzusetzen.

Das mag mit der Phase der Akklimatisierung zusammenhängen, die der junge Mann selbst erwartet hatte, und die ihm von seinem neuen Arbeitgeber explizit zugestanden wurde. Aber auch die schwierige Position, die Lewandowski in Dortmund vorfand, spielte eine Rolle. In vorderster Front ist beim Meister nur wenig Auswahl, das Klopp-System sieht nur einen Stürmer vor. Und dort wo Tore fallen, ist Lucas Barrios gesetzt, wenn er fit ist. Keine leichte Ausgangslage also für den Stellvertreter, der sich mit dieser Rolle abfinden muss.

Jetzt, wo es so blendend für Lewandowski läuft, wird Klopp die Qual der Wahl haben, wenn sich die Nummer eins aus Paraguay wieder spielfähig meldet. Der Trainer selbst redet von einem „Luxusproblem“. Klopp ruft in Erinnerung, dass „Barrios und Lewandowski in der Meistersaison schließlich auch monatelang gemeinsam gespielt haben“. Während sich der Südamerikaner in der Spitze austoben durfte, agierte sein polnischer Kollege dahinter. Als „Neuneinhalber“ beschreibt Lewandowski diese Position. Immer wieder betont er, er definiere sein Schaffen vor allem über seine Rolle als Stürmer, doch Ansprüche hat er nie formuliert. Ganz im Gegensatz zu seinem Landsmann Jakub Blaszczykowski, der beim BVB fehlende Wertschätzung beklagte. Der bescheidene Profi Lewandowski hält sich wohltuend zurück. Lieber berichtet er darüber, wie gut er sich in der neuen Heimat eingelebt hat.

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