Sport : In die Wüste geschickt

Christian Hönicke

Welchem Sportfan wäre Dakar heute ein Begriff, wenn sich Thierry Sabine 1977 nicht mit seinem Motorrad im Wüstensand verirrt hätte? Der französische Abenteurer, der später bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam, war damals so überwältigt von der Vorstellung, das unwegsame Gelände bei einem Rennen zu bezwingen, dass er die senegalesische Hauptstadt 1979 zum Zielpunkt einer neuen Wüstenrallye machte. Paris-Dakar zog die motorisierten Extremsportler an. Trotz Einwänden von Naturschützern und den fast jährlich zu beklagenden Todesopfern unter Schaulustigen und Fahrern beginnt auch das Jahr 2002 wieder mit der härtesten Rallye der Welt. Grafik: Streckenplan der Dakar-Rallye Heute startet die 24. Auflage in Arras - mit der Deutschen Jutta Kleinschmidt als Titelverteidigerin. Die Diplom-Ingenieurin gewann vor einem Jahr als erste Frau den Wüsten-Marathon - unter seifenoperverdächtigen Begleitumständen. Jean-Louis Schlesser, dessen Lebensgefährtin und Beifahrerin Jutta Kleinschmidt jahrelang war, musste sich nach Zeitstrafen und knallharten Überholmanövern geschlagen geben. Eine Story, die auch Willi Weber, den Manager der Formel-1-Brüder Schumacher nicht kalt ließ. Der Schwabe erkannte das Vermarktungspotenzial und nahm Kleinschmidt nach ihrem historischen Sieg unter Vertrag. Kein halbes Jahr war vergangen, da gab es bereits ein Brett- und ein Computerspiel mit dem Konterfei der deutschen Rallye-Fahrerin auf dem Markt.

Neben der Verkürzung der Gesamtstrecke auf 9440 km und dem neuen Startort im Norden Frankreichs macht der Veranstalter vor allem mit einem geänderten technischen Reglement von sich reden. So ist auf zwei der 14 Etappen der Einsatz des Satellitennavigationssystems GPS untersagt. Es hilft Fahrern, die sich in der Weite Afrikas verzettelt haben, auf den richtigen Weg. Kleinschmidt ist über diesen Versuch, das Abenteuer noch zu vergrößern, nicht glücklich: "Wenn sich jemand verirrt, wird es sehr viel problematischer, ihn zu finden", sagt die 39-Jährige. Außerdem sei ein GPS-Gerät von der Größe eines Handys leicht zu verstecken. "Wir werden uns an die Regeln halten, doch ich bin sicher, dass es schwarze Schafe geben wird."

Aber auch ohne Orientierungshilfe aus dem All glaubt die Mitsubishi-Pilotin an eine Wiederholung ihres Vorjahrestriumphs. Vor allem, weil der ehemalige Formel-1-Fahrer Schlesser mit einem leichteren, aber vergleichsweise schwachen Diesel-Motor in seinem Renault startet. "Das ist mutig", sagt Jutta Kleinschmidt. "Ich glaube nicht, dass ein Diesel der bessere Antrieb für diese Art Marathon-Rennen ist."

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