Sport : In doppelter Mission

Füchse Berlin verhandeln über zwei Ägypter – einer soll bleiben, einer kommen

Hartmut Moheit

Berlin - Es wird ein recht schneller Trip, den Bob Hanning und Jörn-Uwe Lommel am kommenden Freitag nach Basel unternehmen – kurz, aber inhaltsschwer. Manager und Trainer der Füchse Berlin sind dort in der Peter-Merian-Straße, im Hauptquartier des Handball-Weltverbandes IHF, mit Hassan Moustafa verabredet. Aber sie werden ihn nicht in seiner Eigenschaft als IHF-Präsident treffen. „Wir wollen ihn als Präsident des ägyptischen Verbandes davon überzeugen, dass der Vertrag mit Hany El Fakharany über die Saison hinaus verlängert wird und wir möglichst auch seine Zusage für die Verpflichtung eines zweiten Spielers bekommen“, sagt Hanning über die heikle Mission und betont noch einmal das Besondere: „Das entscheidet allein er.“

Vor allem der zweite Wunsch, den Linkshänder Ahmed El Ahmar vom Klub Al Ahly Kairo nach Berlin zu bekommen, wird nur sehr schwer zu erfüllen sein. Da auch spanische Spitzenklubs an ihm interessiert sind, könnte dieser Transfer in erster Linie am Geld scheitern. Doch die Berliner Gäste können in Basel auf zwei Trümpfe setzen: zum einen auf El Fakharanys gute Entwicklung bei den Füchsen, die auch der ägyptischen Nationalmannschaft half, die Afrikameisterschaft und damit das Olympiaticket für Peking zu holen. Zum anderen auf Lommels nach wie vor guten Ruf, den er sich bis 2005 als Nationaltrainer Ägyptens erworben hat. „Vielleicht können wir Hassan Moustafa erneut überzeugen, denn allein sein Wort gilt“, sagt Lommel. El Ahmar, den er als „meinen Jungen“ bezeichnet, weil er ihn einst besonders gefördert hat, würde er zu gern in sein Team integrieren. Warum es generell schwierig ist, einen Ägypter nach Europa zu holen, erklärt Bob Hanning: „Dort haben sie die Nationalspieler am liebsten alle zusammen. Es gibt ja nur wenige Klubs, und die besten Handballer spielen praktisch immer zusammen.“

So wird sich Hassan Moustafa genau anhören, wie die Entwicklung von Hany El Fakharany in Berlin gelaufen ist. Wenn es allein nach dem Abwehrchef der Füchse ginge, würde der „noch länger in Berlin bleiben“. Er fühle sich wohl in der Stadt. „Im April bekommt meine Frau hier unser erstes Kind, und außerdem haben wir mit den Füchsen in der Bundesliga noch viel vor, da möchte ich mitmachen“, sagt der immer freundlich auftretende Afrikaner.

„Eine Eingewöhnungszeit musste man ihm aber zubilligen“, beschreibt Jörn- Uwe Lommel noch einmal El Fakharanys erste Zeit bei den Füchsen. „Den Druck und die Leistungsstärke in der Bundesliga musste er zunächst verkraften, deshalb fehlte es ihm auch an Konstanz.“ Und dann kam auch noch die Fastenzeit Ramadan hinzu, die ihn körperlich geschwächt hatte. „Damit als Profi umzugehen musste Hany auch lernen“, erzählt Lommel, der mit all dem als ägyptischer Nationaltrainer bereits in Berührung gekommen war. Heute zählt er Hany El Fakharany im Füchse-Team zu seinen Leistungsträgern. Dass es der zweite Ägypter – dank El Fakharany – in Berlin leichter hätte, wäre nur folgerichtig. Das Idealergebnis für Basel aus Sicht der Füchse lautet daher: El Fakharany bleibt, und El Ahmar kommt. Hartmut Moheit

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