Sport : In dramatischer Lage Nürnberg und Meyer taumeln Richtung Abstieg

Christoph Ruf[Nürnberg]

Hans Meyer ist ein großer Mann. Das fällt einem erst so richtig auf, wenn man ihn alleine sieht, einmal nicht umringt von einer Schar wissbegieriger Journalisten. So wie am Samstag kurz nach 18 Uhr, als er langsamen Schrittes von irgendwo außerhalb des Stadions zurückging zur Tribüne, wo der VIP-Bereich des 1. FC Nürnberg untergebracht ist.

Gut möglich, dass sich der Trainer des 1. FC Nürnberg da Worte zurechtgelegt hat, für alle die – mal wohlmeinenden, mal gehässigen – Edelfans, die ihn gleich wieder auf die Partie gegen Hansa Rostock ansprechen würden, die so rein gar nicht nach seinem Geschmack gewesen war: keine Lockerheit, keine Souveränität, mit dem 1:1 nur einen Punkt geholt.

Den ersten Parcours hatte Meyer da schon hinter sich gebracht, zuerst die Bezahlsender, dann die Öffentlich-Rechtlichen, zuletzt die offizielle Pressekonferenz. Und die Reporterin von „Antenne Bayern“, die etwas vollbrachte, das sonst wohl niemand mehr geschafft hätte an diesem Tag: Hans Meyer lächelte. Dann rief der VIP-Raum.

Hans Meyer hatte sich zuvor alle Mühe gegeben, gar nicht erst allzu viel Interpretationsspielraum zuzulassen. Nicht durch allzu floskelhafte Analysen, die ihm als Durchhalteparolen ausgelegt worden wären, nicht durch Blicke ins Leere, die die Fotografen – bei der Pressekonferenz etwa viermal so viel wie üblich – sofort zur erwarteten Interpretation eingefangen hätten. Stattdessen versuchte er zu erklären, wie es zu einem Ergebnis hatte kommen können, das Fragen aufwarf, die alle in einer entscheidenden mündeten: Gegen wen, wenn nicht gegen Rostock zu Hause, will der Club noch gewinnen? Für den Fall, dass es runtergeht, wird die Ära Meyer in Nürnberg beendet sein. „Hans Meyer steht uns in der zweiten Liga nicht mehr zur Verfügung, sein bis 2009 laufender Vertrag gilt nur für die erste Liga“, sagt Nürnbergs Manager Martin Bader.

Immer wieder, gab Meyer zu, habe er nach Auswärtsniederlagen wie zuletzt der in Karlsruhe darauf hingewiesen, dass sich die Lage zwar nicht verbessert, aber eben auch nicht verschlechtert habe. „Aber die zwei Punkte, die wir gegen Hansa liegen gelassen haben, die haben unsere Situation echt verschlechtert.“ Jan Kollers Tor zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung blieb das einzige Nürnberger Tor, das Christian Rahn mit einem Heber ausglich, den er selbst gut gelaunt mit den Worten „überragend angenommen und traumhaft verwandelt“ kommentierte. „Wir sind nicht abgestiegen, das nicht“, befand Hans Meyer, „aber die Lage ist dramatisch geworden.“

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