Sport : In einer höheren Klasse

Box-Weltmeister Marco Huck träumt von einem Schwergewichts-Kampf gegen einen der Klitschkos

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Gleich hau’ ich ihn um. Cruisergewichtler Marco Huck (links) malträtiert am vergangenen Wochenende seinen chancenlosen Herausforderer Rogelio Rossi und behält den Titel. Jetzt sucht er neue, ultimative Aufgaben. Foto: dpa
Gleich hau’ ich ihn um. Cruisergewichtler Marco Huck (links) malträtiert am vergangenen Wochenende seinen chancenlosen...Foto: dpa

Berlin - Öfter richtig reinzuhauen hilft selten, mehr Gewicht bringt meist neue Probleme. Das gilt auch für Boxer, die eine Gewichtsklasse höher kämpfen möchten. „Ich schlage alles kurz und klein, jeden, der sich mir in den Weg stellt“, sagte Marco Huck, als er seinen Weltmeistertitel nach Version des Verbandes WBO am vergangenen Wochenende verteidigt hatte. Er schlug dabei sogar nach dem Schlussgong der vierten Runde zu und hätte dafür disqualifiziert werden müssen, bevor sein Gegner Rogelio Rossi nach einem der explosiven Schläge Hucks in der sechsten Runde bewusstlos K.o. ging. Im Cruisergewicht, für das man 90 Kilogramm wiegen darf. Nach seiner achten Titelverteidigung tönte Huck, dass er nun ins Schwergewicht aufsteigen und gegen einen der Klitschkos boxen wolle.

Das klingt sehr nach PR-Getöse, könnte aber genau aus Werbegründen Wirklichkeit werden. Die Klitschkos, Weltmeister aller Verbände, suchen schon länger händeringend Gegner, bei denen sich ein Kampf großflächig vermarkten lässt. „Theoretisch ist alles möglich“, sagt Klischko-Manager Bernd Bönte. Eine Titelverteidigung gegen Huck ist also nicht auszuschließen. Auf freiwilliger Basis, denn bis zum Pflichtherausforderer müsste sich Huck erst hochboxen. „Ob Hucks boxerische Klasse allerdings ausreicht, weiß ich nicht“, sagt Bönte.

Huck wäre nicht der Erste, der beim Aufstieg ins Schwergewicht Probleme hat. Die Schläge des 26-Jährigen würden mit einer Gewichtszunahme an Schnelligkeit einbüßen, damit würde Huck, der technisch nicht zu den besten Boxern zählt, eine große Stärke verlieren. Und zunehmen müsste er. An gesunder Masse, nicht angefutterter, um im Kampf gegen einen Koloss etwas zuzusetzen zu haben. „Er hat den Kampf durch seine Schlagkraft gewonnen“, sagte Hucks Trainer Ulli Wegner nach dem Sieg gegen Rossi. Huck wiegt nach eigenen Angaben ohne Kampftraining 92 bis 93 Kilogramm. Witali Klitschko brachte bei seinem letzten WM-Fight im Schwergewicht 110 Kilogramm auf die Waage.

Generell gilt im Boxen die Faustregel, lieber Gewicht zu reduzieren als draufzupacken. Der überragende Mittelgewichtler Arthur Abraham ist beispielsweise nicht mehr so überragend, seit er ins Supermittelgewicht gewechselt ist, bei dem das Limit nur knapp vier Kilogramm höher liegt. Dabei ist der Unterschied in den niedrigeren Gewichtsklassen noch vergleichsweise klein im Vergleich zu dem Aufstieg zur höchsten Klasse Schwergewicht.

Aktuelle Beispiele geringerer boxerischer Klasse in einer höheren Gewichtsklasse sind die jüngsten Klitschko-Gegner David Haye und Tomasz Adamek. Haye stieg als Weltmeister im Cruisergewicht auf und gewann auch den WM-Titel im Schwergewicht, gegen Wladimir Klitschko tänzelte er aber mehr herum und verlor deutlich nach Punkten. Wladimirs Bruder Witali hatte vor 44 000 Zuschauern in Breslau zuletzt keine Mühe mit dem einst zwei Gewichtsklassen tiefer boxenden Tomasz Adamek. Der Pole ist schnell, beweglich und ein guter Techniker, war physisch aber deutlich unterlegen.

Es ist das Ziel vieler Cruisergewichtler, Weltmeister aller Klassen zu werden. Geschafft hat dies in den neunziger Jahren Evander Holyfield, der alle Schwergewichts-Titel der damals wichtigsten Verbände hielt. Der 48-Jährige boxt nach zahlreichen Comebacks immer noch, derzeit, natürlich, hofft er auf einen Kampf gegen einen der Klitschkos. Alt genug ist er auf jeden Fall, denn mit zunehmendem Alter gewinnt auch ein Boxer etwas an Körpermasse.

Vielleicht muss Huck ja noch etwas warten. „Marco ist erst 26, wir haben noch viel Zeit. Es gibt keine Eile“, sagt sein Promoter Kalle Sauerland. Erst einmal steht eine Pflichtverteidigung im Cruisergewicht an, der Gegner wird stärker sein als der ausgesuchte Argentinier Rogelio Rossi.

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