Sport : In einer Woche präsentiert der Ostberliner Club sein neues Konzept

Claus Vetter

Keiner geht gern zu seinem Chef, wenn ihn ein schlechtes Gewissen drückt. Martin Müller, der Generalbevollmächtigte der Berliner Eisbären, macht da keine Ausnahme. Doch trotz des bescheidenen Abschneidens seiner Mannschaft in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist Müller eigentlich nicht ungern zum Rapport zu seinem Chef gereist. Der Eisbären-Eigner Philip Anschutz wohnt nämlich in Nordamerika, und diese räumliche Entfernung hat seinen Berliner Statthaltern schon manchen attraktiven "Arbeitsurlaub" (Müller) eingebracht. In Los Angeles, Atlanta, Chicago und natürlich in Denver, dem Hauptsitz der Anschutz-Gruppe, war Müller mit Manager Peter John Lee und Marketingleiter Billy Flynn für zwei Wochen unterwegs. Mit neuen Spielern sind sie nicht zurückgekommen, dafür aber mit vielen Erkenntnissen. "Es ging uns darum, den Rahmen abzustecken, Einzelheiten und Formalitäten abzuklären, die Ansprechpartner kennen zu lernen", erzählt Müller. Das klingt kryptisch, soll aber in Kürze konkretisiert werden: "Mitte nächster Woche verlassen wir das Schneckenhaus, dann stellen wir unser neues Konzept vor."

Es gibt einiges zu tun in Hohenschönhausen. Während sich die Berlin Capitals bereits in der Vorwoche verabschiedeten, wurden im Sportforum bis gestern die Schläger geschwungen: Dass in Hohenschönhausen länger Eishockey gespielt werden würde als in Charlottenburg, hatten die Eisbären vor der Saison durchaus so erwartet. Allerdings in etwas anderer Ausprägung. Denn dass die Spielzeit nicht in den Play-offs, wo die lokale Konkurrenz aus dem Westen der Stadt immerhin bis ins Halbfinale vorgestoßen ist, sondern in der Abstiegsrunde der DEL auf dem drittletzten Platz endete, ist für die in den vergangenen Jahren vom Erfolg verwöhnten Eisbären mehr als nur ein Schönheitsfehler.

Martin Müller weiß, wie sehr der Ruf der Eisbären durch das Antreten in der "Pampelmusenliga" gelitten hat. Er muss handeln. Nachdem in der letzten Woche mit Chitarroni, Gravel, Murphy, Corriveau, Bullard, Rhodin, Wahlberg, Carlsson und Busillo gleich neun Spieler vor die Tür gesetzt wurden, "steckt der Frust natürlich überall drin", sagt Müller. Da erkläre sich manch kurioses Resultat von selbt, etwa das 4:11 vom vergangenen Freitag in Hannover. "Aber der Kehraus war nach dieser verpatzten Saison nun mal nicht zu verhindern", sagt Müller.

In einem Monat soll die neue Mannschaft komplett sein. Vier neue Spieler haben die Eisbären bereits unter Vertrag. Namen will Müller noch nicht nennen, dafür aber Meldungen über etwaige Verpflichtungen dementieren. Torhüter Pat Jablonski, ein Kanadier, der im vergangenen Jahr immerhin noch in der nordamerikanischen Profiliga NHL spielte, werde ganz bestimmt nicht kommen. Das gleiche gilt für den Finnen Kai Nurminen. Dass dessen Name mit den Eisbären in Zusammenhang gebracht wird, empfindet Müller als echte Posse. "Das hat irgendwo ein Fan im Internet geschrieben. Mehr war da nicht."

In der Trainerfrage gibt es weniger Spielraum für Spekulationen. Dave King hat sich in den letzten Tagen schon als potentieller Nachfolger des Schweden Kent Forsberg in Berlin vorgestellt. Der Kanadier sei aber nur einer von "fünf bis sechs Kandidaten", sagt Müller. "Wir stehen schon seit 1996 mit King in Kontakt, damals war er noch in Japan tätig. Vor einigen Wochen haben wir ihn dann in Stockholm getroffen." Vom Fachwissen des Kanadiers sind die Eisbären offensichtlich vollends überzeugt, "deshalb ist er jetzt schon mal als Berater für die uns tätig", sagt Müller. "Wir brauchen jemanden, der den europäischen Markt kennt. Und da weiß keiner so gut Bescheid wie Dave King."

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