Sport : In Form für Gold

Das deutsche Team hat einige Medaillenhoffnungen – aber auch starke Konkurrenz. Ein Überblick

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Rotierende Hünen. Robert Harting (links) und der Este Gerd Kanter, sein Rivale. Fotos: dpa
Rotierende Hünen. Robert Harting (links) und der Este Gerd Kanter, sein Rivale. Fotos: dpaFoto: picture alliance / dpa

Der Deutsche Leichtathletik-Verband setzt seine Hoffnungen auf mehrere Medaillenkandidaten. Wir stellen sie vor und sagen, wer ihre schärfsten Rivalen sind. Überraschungen in anderen Disziplinen sind natürlich nicht ausgeschlossen.

Hammerwerfen Frauen

Mitten im Ring erhob sich eine Art Maulwurfshügel, das kann man natürlich mit Betty Heidler nicht machen. Sie flüchtete aus dem Vorbereitungscamp der deutschen Mannschaft in Südkorea, sie will schließlich Weltmeisterin werden. Da muss im Training schon alles stimmen. Im Mai warf sie mit 79,42 Meter Weltrekord, sie ist die Gejagte. 77 Meter, das ist ihre Zielmarke, damit dürfte sie zumindest eine Medaille sicher haben. Vielleicht sogar Gold, denn ihre Dauerrivalin, die Russin Tatjana Lysenko, ist 2011 nur 75,70 Meter weit gekommen.

Speerwerfen Frauen

Nach der verpatzten WM 2009 saß Christina Obergföll heulend in ihrem Zimmer. Jetzt verkündet sie lässig: „Ich bin in Form für Gold.“ Hört, hört. Aber Obergföll verweist auf Zahlen. Ihr bester Wurf dieser Saison landete bei 68,86 Metern, ihr schlechtester immer noch bei 64 Metern. Nur Weltrekordlerin Barbora Spotakowa hat 2011 weiter geworfen als die WM-Zweite von 2007. Die Tschechin erreichte 69,45 Meter. Allerdings: Die Russin Maria Abakumowa schleuderte den Speer immerhin 67,98 Meter weit.

Diskuswerfen Männer

Robert Harting, der Weltmeister von 2009, hat’s im Knie, das ist ja bekannt. Tiefkniebeugen, aggressive Sprints oder das übliche Krafttraining, all das ist in gewohnter Form nicht möglich. Eine Medaille will er trotzdem, erstens ist er ein Wettkampftyp, zweitens hat er trotz der Probleme in diesem Jahr schon 68,99 Meter geworfen. Sein größtes Problem ist seine Psyche. Er will unbedingt mal 70 Meter werfen, dieses Ziel setzt ihn mehr unter Druck als die Konkurrenz. Die Konkurrenz, das sind die üblichen Verdächtigen: Piotr Malachowski, Virgilius Alkna, Gerd Kanter. Der Ungar Zoltan Kovago führt zwar die Jahres-Weltbestenliste mit 69,50 Metern an, aber Harting glaubt, dass dies bloß ein Ausrutscher nach oben war.

Diskuswerfen Frauen

Das Schlimmste aus ihrer Sicht hat Nadine Müller überstanden: den Flug nach Südkorea. Wenn jemand 1,92 Meter groß ist und sich stundenlang in einen engen Sitz zwängen muss, ist das nicht so richtig lustig. Fehlt jetzt nur noch eine Medaille. Die ist drin, das hatte sie bei einem Test kurz vor der WM gesehen: 66,99 Meter, nicht windunterstützt. Nur die Chinesin Li Yanfen war 2011 besser (67,98).

Siebenkampf Frauen

Jennifer Oeser, das ist die Frau, die bei der WM 2009 beim 800-Meter-Lauf stürzte, sich aufrappelte und noch Silber gewann. Dieses Bild hat sich vielen eingebrannt. In Daegu will sie ohne Sturz eine Medaille. Mit 6663 Punkten liegt die EM-Dritte von 2010 auf Rang drei der Weltrangliste, 283 Punkte hinter Jessica Ennis aus Großbritannien. Allerdings liegen im Siebenkampf mehrere Athletinnen dicht beieinander, der Kampf um eine Medaille wird hart. Aber Oeser motiviert sich wie immer vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf. „Noch zwei Minuten, dann ist es vorbei. Dann kommt der Urlaub.“ Wenn sie stürzt, dauert es allerdings ein paar Sekunden länger.

Stabhochsprung Männer

Achtung, cooler Spruch: „Ich will Richtung Gold springen.“ Ja klar, drunter macht es Malte Mohr nicht. Große Taten anzukündigen, das ist die Spezialität des 25-Jährigen. Nur: Manchmal geht’s ziemlich daneben. Natürlich gehört er bei der WM zu den Medaillenkandidaten, keine Frage. Er ist Nummer drei der Weltrangliste mit 5,81 Meter, hinter Pawel Wojchiechowski (Polen/5,91) und Renaud Lavillenie (Frankreich/5,90). Mohrs persönlicher Rekord steht bei 5,90 Metern, er hat genügend Potenzial. Muss nur noch die Reihenfolge stimmen: erst die Höhe, dann der Spruch.

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