Sport : In goldenen Händen

Natascha Keller wird die deutsche Fahne tragen.

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Sie kennt das Spiel. Natascha Keller holte 2004 Gold mit dem Hockeyteam. Foto: dpa
Sie kennt das Spiel. Natascha Keller holte 2004 Gold mit dem Hockeyteam. Foto: dpaFoto: dpa

Die Olympischen Spiele haben ihren ersten Favoritensieg. Die Wahl, wer als erster Deutscher bei der Eröffnungsfeier ins Stadion laufen darf und dabei noch die Fahne trägt und schwenkt, fiel auf die Sportlerin, die dafür vielleicht am besten geeignet ist. Fünfte Olympiateilnahme. Ein Olympiasieg. Mannschaftssportlerin. Mitglied einer Familie, in der olympisches Gold dazugehört wie in anderen Familien Taufe oder Hochzeit. Und weil sie auch noch weiß, wie man ein Sportgerät greift, wird die deutsche Fahne am Freitagabend im Olympiastadion bei Natascha Keller in sehr guten Händen sein.

Am Mittwoch ist Keller im deutschen Haus in London als Inhaberin dieses Ehrenamts vorgestellt worden. Und auch für sie kam die Wahl nicht überraschend. „Mich haben schon vorher so viele Leute darauf angesprochen“, sagte die Berlinerin. „Aber ich durfte es seit gestern niemandem sagen, dabei hätte ich es gern mit der ganzen Welt geteilt.“ In der engeren Auswahl war unter anderen Schütze Ralf Schumann, der reist jedoch erst nächste Woche an. Auch Gewichtheber Matthias Steiner war im Gespräch, aber der wollte nicht. Und Tischtennisspieler Timo Boll – der hatte zuletzt Bizeps-Probleme.

In Peking vor vier Jahren hatte Dirk Nowitzki die gewöhnlichen Anforderungskriterien an das Amt etwas durcheinandergebracht. Von einem verdienten Olympioniken konnte man bei dem Basketballstar nicht sprechen. Seine Wahl kam nicht bei allen gut an. Es sollten bei Olympia doch gerade auch mal die kleinen Sportarten drankommen, lautete die Kritik. Hockey gehört anders als Basketball zu den kleineren Mannschaftssportarten, also zu denen, die bei Olympia noch einmal über sich hinauswachsen.

Die Goldmedaille der deutschen Hockeyspielerinnen 2004 gehörte aus deutscher Sicht zu den emotionalsten Momenten der Spiele von Athen. Natascha Keller hatte an diesem Erfolg durch ihre Vorlage zum Siegtor im Finale entscheidenden Anteil. 2008 wurde es dann Platz vier, aber das gute an der verpassten Medaille war für Keller, dass sie daraus noch einmal Motivation zog, um ihre Karriere fortzusetzen. Auch diesmal hat sie sich wieder ganz von der olympischen Atmosphäre einnehmen lassen: „Das Besondere ist, wie man im Laufe der Zeit als Mannschaft zusammenwächst, und dass man Teil dieses großen Ereignisses sein darf.“ Die Kür zur Fahnenträgerin ist nicht nur „das i-Tüpfelchen meiner Karriere“, sondern auch schon mal ein vorweggenommenes Abschiedsgeschenk vom deutschen Olympiateam. Es werden Natascha Kellers letzte Spiele sein.

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