Sport : In guten Händen

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Michael Rosentritt über das

Münchner Glück des Sebastian Deisler

Was hat man in Deutschland gelacht, als der FC Bayern München im Herbst des vergangenen Jahres mangels meisterlichen Fußballs nicht mehr mitmachen durfte in der Champions League. Mitterweile erweist sich die sportliche Blamage als strategischer Segen – für die Bayern und den talentiertesten deutschen Fußballer überhaupt. Sebastian Deisler muss nichts tun beim FC Bayern, gar nichts – außer gesund werden und gelegentlich mal andeuten, warum ihn die Münchner für mehr als neun Millionen Euro aus seinem Vertrag bei Hertha BSC herausgekauft haben. Der internationale Druck ist seit dem Aus in der Champions League weg, und in der Bundesliga können die Bayern auf dem Weg zur 18. Deutschen Meisterschaft ohnehin nichts mehr falsch machen. Es lacht auch schon lange niemand mehr.

Am Samstag, beim 5:0Sieg im Münchner Derby über den TSV 1860, hatte Sebastian Deisler seinen dritten Kurzeinsatz nach der sechsten Knieoperation und einer achtmonatigen Verletzungspause. Trainer Ottmar Hitzfeld gewährt ihm alle Zeit dieser Welt. Einen Einsatz über 90 Minuten mag er seinem prominenten Rekonvaleszenten vorerst nicht zumuten.

Die Behutsamkeit, die der FC Bayern dem 23-Jährigen entgegenbringt, ist exklusiv und begründet. Die Bayern sind nicht abhängig von dem Mann, dessen Verpflichtung ihnen ein Darlehen über 20 Millionen Mark wert war. Und doch kann Hitzfeld Deisler Zeit geben, weil sich um ihn herum so viele Weltklassespieler tummeln wie in keinem anderen Verein. Eben darum war Deislers Entscheidung für den FC Bayern eine richtige Entscheidung. Nirgendwo sonst hätte er im schwersten Jahr seiner Karriere eine sportlich derart hochwertige Rehabilitierung betreiben können. In München wird er in der zweiten Jahreshälfte wieder als zentraler Bestandteil einer großen Mannschaft unter großen Mannschaften Europas spielen. Der Weg des FC Bayern führt direkt in die neue Champions-League-Saison.

Dann wird Hitzfeld sein Personal wieder rotieren lassen – und dabei wohl nur bei einem gesunden Sebastian Deisler eine Ausnahme machen.

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